Buchbesprechung: Wanderführer Bayerischer Wald – Wandern und Einkehren

Um was es geht und die eierlegende Wollmilchsau

Buchtitel FotoDas Rother Wanderbuch „Bayerischer Wald mit Oberpfälzer Wald und Böhmerwald“ aus der Reihe „Wandern & Einkehren“ lockt man 54 leichten bis mittelschweren Touren mit Einkehrmöglichkeiten. Der Schwerpunkt liegt im Inneren und Vorderen Bayerischen Wald. Auch die angrenzende tschechische Seite ist mit einigen Touren berücksichtigt.

Ich gebe zu: Auf der tschechischen Seite habe ich keine einzige Tour ausprobiert. Deshalb weiß ich auch nicht, wie die sind. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es dort schöne Wanderwege geben könnte. Die, die ich vor vielen Jahren gegangen bin, waren überwiegend geteert oder langweilige Forststraßen und schnurgeradeauslaufend. Aber vielleicht hat die Autorin Eva Krötz die eierlegende Wollmilchsau in Sachen schöne Wanderwege in Tschechien gefunden und ich weiß es bloß nicht. Zutrauen würde ich es ihr. Denn die Touren auf der deutschen Seite sind superschön!

Das Format des Wanderbuches

Mir ist das Format des Wanderbuches zu groß, zu unhandlich. Ich gehöre zu den Menschen, die so ein Ding während des Gehens in die Seitentasche des Wanderrucksacks stecken. Es lässt sich aufgrund der Größe darin aber nicht verstauen, so dass ich es immer in der Hand halten musste.

Andererseits bietet das Format auch einen klaren Vorteil: Die Höhenprofile und Wanderkarten sind gut lesbar.

Das Titelbild und eine Kuriosität

Das Titelbild erkenn´ ich auf den ersten Blick. Das ist die Hütte unterhalb des Ossergipfels. Da das Buch im Untertitel „Einkehren“ lautet, ist auch gleich der Biergarten von der Schutzhütte abgebildet. Kurios ist, dass man dort, wenn man will, mit einem Fuß in Deutschland und mit dem anderen in Tschechien sitzen kann. Diese Info habe ich vermisst.

 

Unterhalb vom Ossergipfel.

 Wir wir grade bei Bildern sind: Fotos von der Landschaft oder den Einkehrmöglichkeiten gibt es genügend.

Die Wandertouren im Überblick

Schlägt man den Buchdeckel auf erwartet einen eine tabellarische Übersicht über alle Touren mit Angaben wie Schwierigkeitsgrad, ob die Strecke stark frequentiert ist, zu überwindende Höhenmeter, Gehzeitangaben und anderes mehr. Nicht, dass ich die Tabelle jemals genutzt hätte. Sie ist mir jetzt, wo ich das Buch nochmal für die Rezension in die Hand nehme, aufgefallen.

Aus der Tabelle lese ich raus, dass die vorgeschlagenen Wanderungen zwischen 2.15 und 6 Stunden dauern. Um mir einen Überblick über die Länge einer Tour zu verschaffen, greife ich lieber auf Kilometerangaben zurück. Die fehlen hier. Mir ist jedoch bewusst, dass viele Leute Zeitangaben bevorzugen.

Inhaltsverzeichnis

Weiter geht’s mit einem farbigen Inhaltsverzeichnis. Man sieht auf einen Blick, ob es sich um eine leichte oder mittelschwere Tour handelt. So eine Einschätzung ist halt immer extrem individuell und kann deshalb nur einen groben Anhaltspunkt bieten.

Brauche ich eine Hochgebirgsausrüstung?

Dann kommen allgemeine Angaben rund ums Wandern. Auf was man sich einstellen soll, wenn eine Tour als „leicht“ oder „mittelschwer“ eingestuft ist, welche Ausrüstung für Wanderungen in dieser Region erforderlich ist. So viel sei verraten: Steigeisen und Pickel können Sie ruhig zu Hause lassen. Weiter liest man was zum Umgang mit den GPS-Daten, die man sich auf der Verlagsseite runterladen kann und was man beim Wandern im Nationalpark beachten sollte sowie andere allgemeine und touristische Infos mit dazugehörigen Website-Adressen.

Die Wanderregion allgemein

Es folgt eine Beschreibung der Wanderregion Bayerischer und Oberpfälzer Wald und Böhmerwald. Der Schwerpunkt liegt auf geologischen und geografischen Informationen.

Essen und trinken

Der letzte Block der Einführung beschäftigt sich mit der Wanderregion aus kulinarischer Sicht. Unter anderem weist die Autorin Eva Krötz auf regionale Spezialitäten wie Sengzelten, Glosafleisch (nicht zu verwechseln mit Glaslfleisch) und Pichelsteiner hin.

Kurz-Info-Kasten

Ein Kurz-Info-Kasten informiert mit Symbolen und Text über den Ausgangspunkt mit Navi-Angabe und falls vorhanden, auch über Möglichkeiten zur Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Weiter geht’s mit Gehzeit, Höhenunterschieden und Wegbeschaffenheit. Zu manchen Touren schlägt Eva Krötz Varianten vor und packt gleich die dazugehörigen (kurzen) Streckenbeschreibungen dazu. Die Variante bietet sie als Abkürzung, Verlängerung oder als Alternative an.

Manchmal findet man auch eine Erklärung, ob und wie man die Wanderung im Winter machen kann oder welche Alternativen es zur Winterwanderung gibt. Gelegentlich tauchen Hinweise auf die Kindertauglichkeit der Wanderstrecke auf.

Bisweilen steuert sind Tipps für Aktionen enthalten, die nicht unbedingt an der Wanderstrecke liegen müssen. Das sind beispielsweise der Hinweis auf das Nationalparkzentrum Lusen bei der Wanderung auf den Lusen oder die Empfehlung zum Besuch einer bestimmten Glasgalerie bei der Wanderung zur Scharebenhütte.

Wie es weitergeht – das Höhenprofil

Jetzt wird es kniffelig. Denn was als nächstes kommt, ist nicht einheitlich geregelt. Manchmal folgt auf die Kurz-Info die Wegbeschreibung. Aber nicht immer. Manchmal findet man nach der Kurz-Info eine Grafik mit Höhenprofil, Orientierungspunkten und Kilometerangaben. Diese Grafik kann an jeder x-beliebigen Stelle zu finden sein. Da ich mich vor allem für die Länge in Kilometern interessiere, und die nur im Höhenprofil verzeichnet ist, musste ich mir das Kästchen erst umständlich suchen. Es reicht nicht, die Wanderung aufzuschlagen und dann weiß ich, wo ich hinschauen muss.

Da sich im Höhenprofil der einzige Hinweis auf die Länge in Kilometern befindet, hätte ich mir gewünscht, dass es immer am gleichen Platz positioniert ist. Oder die Kilometerangabe wäre in der Kurz-Info oder in der Anfangstabelle untergebracht worden.

Die Grafik selber ist trotz kleiner Größe gut lesbar und bietet (auch unterwegs) einen schnellen Überblick über An- und Abstiege und an welchem Wegpunkt man wie viel (Zeit und) Kilometer zurückgelegt hat.

Es geht ans Eingemachte: Die Wegbeschreibung

Nun kommt die Wegbeschreibung der jeweiligen Wanderroute. Zunächst weist eine Einleitung auf die Besonderheit der Tour hin. Das können kulturelle Hintergründe sein, Infos zur Entstehungsgeschichte oder Geologie oder irgendetwas anderes.

Auch wenn ich bei der Wanderung auf den Osser die oben erwähnte Kuriosität vermisst habe, sprechen mich die Infos an. Zum Einen bieten sie für Interessierte kurz und knackig Hintergrundinfos, machen aber auch Appetit auf die Wanderung, wenn etwas über die Natur und die Wegebeschaffenheit eingeflochten ist.

Blick vom Osser

Blick vom Osser

In der nachfolgenden Wegbeschreibung liest man, wie bei Rother üblich, fast ausschließlich die Wegbeschreibung. Also keine Hinweise im laufenden Text auf Burgen, Sehenswürdigkeiten oder solche Sachen.

Allerdings ist die Beschreibung manchmal an entscheidenden Stellen unpräzise. Was meine ich damit? Bei der Tour zum Hohen Stein bei Fürstenstein schreibt die Autorin, dass man einen Waldweg steil rechts hinauf geht. In der Realität war der Waldweg nicht als solcher zu erkennen. Eine Beschreibung des Weges mit einem Adjektiv wie „unscheinbar“ wäre hilfreich.

Dann heißt es weiter, dass man auf diesem Weg (wenn man ihn endlich gefunden hat) steil hinauf geht und sich hinter den Siedlungshäusern links hält. Da sind wir wie ein großes Fragezeigen dagestanden. „Hinter“ interpretierten wir so, dass wir auf die Häuser zugehen und sie umrunden. Vom Wander-Standpunkt aus hätte es tatsächlich „vor den Häusern“ heißen müssen. Wäre es noch um den Zusatz „am Waldrand entlang“ ergänzt worden, wäre alles schlüssig gewesen.

Irgendwie hat sich die Autorin auf diesem kurzen Abschnitt bei der Beschreibung verheddert. Es geht nämlich in diesem Stil weiter: Wenige Meter weiter geht sie „geradeaus den Graspfad…“ Tatsächlich befindet sich geradeaus nichts als undurchdringliches Gestrüpp, das auf mich den Eindruck machte, als ob es schon länger hier wachsen würde. Hier wäre „einen nach links versetzen Graspfad“ präziser gewesen. Glücklicherweise kannte ich die Gegend schon von früheren Wanderungen und – weil der Magen schon knurrte – bin ich an dieser Stelle aus der Beschreibung vorübergehend ausgestiegen…

Gefunden! Hoher Stein bei Fürstenstein.

Gefunden! Hoher Stein bei Fürstenstein.

Die Wanderkarte – übersichtlich und hilfreich

Jede Wanderung verfügt über eine kleine Wanderkarte, in der die Tour, Wegpunkte und – falls vorhanden – Alternativwege eingezeichnet sind. Die Abbildungen sind immer sehr kontrastreich dargestellt, so dass auch die Höhenlinien und sonstigen Wege schön zu erkennen sind.

In manchen Gebieten gibt es unter anderem rote, runde Wanderweg-Markierungen mit weißen Zahlen in der Mitte. In der abgebildeten Wanderkarte sind die Orientierungspunkte ebenfalls mit weißen Zahlen in roten Kreisen dargestellt, so dass sie den Markierungen ähneln. Die Wanderweg-Markierungen sind damit kaum von den Wegpunkten zu unterscheiden. Das finde ich irritierend. Sie unterscheiden sich nur unwesentlich durch die Größe und dadurch, dass die weißen Ziffern in eckigen Kästen sind. Diese beiden Unterscheidungsmerkmale sind jedoch viel zu klein, als dass sie auf Anhieb eindeutig identifiziert werden könnten. Da muss man schon genau hinschauen.

Und jetzt – nachdem ich das Buch anlässlich der Buchbesprechung nochmal intensiv durchforste – sehe ich, dass die Markierungen immer auf der Tourenlinie sitzen und die Wegpunkte seitlich davon. Das könnte die Unterscheidung erleichtern. Lieber spät als gar nicht gesehen. :-)

Essen-und- trinken – Kasten

Ein grüner Infokasten befasst sich ausführlicher mit Einkehrmöglichkeiten während der Wanderung. Diese werden mit Speisenangebot, Telefonnummern, Öffnungszeiten und Internetadresse erwähnt. Die Hinweise sind echt hilfreich, wenn man sich in der Wandergegend nicht auskennt.

Das Finale

Am Ende des Buches erscheint natürlich das Stichwortverzeichnis! Für mich ein absolutes Muss! Und auf der Klappe des Buchrückens ist noch einmal die gesamte Wanderregion mit den Nummern der Wandertouren abgebildet. Damit lässt sich die einzelne Tour einer bestimmten Gegend zuordnen. Man weiß auf einen Blick, ob man eine längere Anreise vor sich hat oder die Tour „um die Ecke“ ist. Sehr nützlich.

Wie ich für die Rezension vorgegangen bin

Ich kenne sehr viele der beschriebenen Tourenvorschläge. Für die Rezension bin ich einige genauso wie in der Beschreibung angegeben, Wort für Wort nachgegangen. Auch wenn ich aufgrund meiner vielen Wanderungen wusste, wo es langgeht, habe ich mich bewusst an die Beschreibung gehalten. Ich habe so getan, als ob ich das erste Mal da wäre.

Damit ich gelegentlich tatsächlich auf die Beschreibung angewiesen war, habe ich hin und wieder eine Tour gewählt, die ich ähnlich gehe, so dass vielleicht ein Wegabschnitt dabei war, den ich nicht kannte. Nur um festzustellen, dass die Wegeauswahl wirklich sehr schön ist und Eva Krötz aber an manchen (entscheidenden) Stellen unpräzise beschreibt, wo es langgeht.

Andere Touren wie die zum Jährlingschachten habe ich mir nur auf der Wanderkarte im Wanderbuch angesehen – um festzustellen, dass die Wegeauswahl ebenfalls mit meiner eigenen übereinstimmt. Gegangen bin ich viele Touren dann nicht. Da ich die Wanderstrecken aber eh kenne, traue ich mir durchaus zu, einzuschätzen, ob die Wegführung und Gestaltung was taugen oder nicht.

Nationalpark Bayerischer Wald: Auf dem Jährlingschachten mit Blick nach Tschechien.

Eine mir völlig unbekannte Tour (Nummer 8, Zur Schwarzwihrberghütte) bin ich nur mit dem Wanderbuch und ohne zusätzliche Wanderkarte gegangen. Ich habe den Weg gefunden. Aber nur, weil ich bereits vorher mit dem Wanderbuch unterwegs war und wusste, wie die Beschreibungen zu interpretieren sind. Außerdem kann ich Spuren und Karten lesen und mich im Gelände orientieren. Aber auch hier bin ich auf der Suche nach dem richtigen Weg (übrigens ein aufgelassener und schon zugewachsener Weg) eine Weile an einer Stelle hin und her gedackelt.

Auf der Tour zum Schwarzwihrberg.

Auf der Tour zum Schwarzwihrberg im Oberpfälzer Wald bei Rötz.

Fazit:

Wer auf schönen Wegen und Pfaden nicht nur bekannte Wanderziele, sondern auch idyllische und unbekanntere Ecken im Bayerischen Wald entdecken will, findet sie in diesem Wanderbuch. Den Arber, Rachel und Lusen kennen viele Leute. Aber wer (außer ich und noch ein paar andere Menschen 😉 ) kennt schon das Kirchlein Frauenbrünnl (ein wirklich schöner Aussichtspunkt), den Hohen Stein (ein beeindruckendes Geotop) oder den Kronberg bei Bodenmais / Langdorf?

Blick über´s Frauenbrünnl-Kirchlein.

Blick über´s Frauenbrünnl-Kirchlein bei Rinchnach / Gehmannsberg.

Unterwegs auf der Wanderung auf den Kronberg (Fotos stammt aus dem Jahr 2010).

Unterwegs auf der Wanderung auf den Kronberg (das Fotos stammt aus dem Jahr 2010).

Die Wanderungen, die die Autorin auf der bayerischen Seite ausgewählt hat, sind superschön! Sie schafft es – wo möglich – ihre Wanderungen über naturnahe Wege und Pfade zu führen und wenig schöne Abschnitte zu umgehen. Selbst in dichter besiedelten Gebieten ist der Ablauf des Natur- und Landschaftserlebnisses attraktiv.

Wünschenswert wäre es, wenn die Wegbeschreibung an entscheidenden Stellen präziser wäre und auch öfter mal der Hinweis auftaucht, ob man unmarkiert unterwegs ist oder weiterhin einer Markierung folgt. Im Text würden zusätzliche Hinweise auf Landmarken die Orientierung an entscheidenden Stellen gelegentlich erleichtern. Hilfreich ist es, wenn man eine zusätzliche Wanderkarte dabei hat und sich gelegentlich selber einen Reim auf die Wegführung machen kann.

Manche Touren wie die zum Kleinen Arber über den Hüttlschachten oder die zur Scharebenhütte gehe ich andersrum– aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache.

Schareben-Hütte.

Schareben-Hütte.

Die interessanten Tourenvorschläge und schönen Wege schlagen die punktuellen Schwächen der Wegbeschreibungen. Wer sich nicht nur auf das Buch verlässt, sondern sich hin und wieder zutraut, den Weg selber zu finden, für den ist dieser Wanderführer absolut empfehlenswert. Diese Empfehlung mache ich nicht, weil der Bergverlag Rother das Wanderbuch zur Rezension zur Verfügung gestellt hat, sondern weil ich tatsächlich überzeugt und begeistert bin.

Disclaimer: Der Bergverlag Rother hat mir das Rother Wanderbuch „Bayerischer Wald, Wandern & Einkehren“ zur Rezension kostenlos zur Verfügung gestellt. Danke schön!

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