Rundweg bei Zell

 

Wiesenweg bei Zell

Nicht, dass jemand meint, hier wäre das Zell am See in Österreich in der Nähe der Krimmler Wasserfälle gemeint. Nein. Es ist das Zell, dass zwischen Bischofsmais, Regen, Kirchberg i. Wald und Lalling (mit dem einzigen Feng-Shui-Kurpark Deutschlands) liegt. Zell hat sich herausgeputzt. Vor ein paar Jahren sah es noch etwas traurig aus. Jetzt kann das Dorf schon fast schon beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ mitmachen.

Wir wandern bei dem großen, alten Baum in der Ortsmitte los. Das Schild mit der roten 13 „Rundwanderweg Zell“ zeigt nach links und führt uns erst mal Richtung Lalling. Das Schild wird es schon wissen. Wir kommen an einem neuen Dorf-Backofen vorbei. Daneben ist ein Bachlauf angelegt, der aus einer Architekten-Zeitschrift entsprungen zu sein scheint. Trotzdem hat so ein Bächlein etwas Anziehendes.

Der Dorfbackofen für geselliges Beisammensein und die Garage hat ein freundliches Gesicht

Jetzt dürfen wir uns entscheiden: Links- oder rechts-rum? Wir entscheiden uns für die Links-rum-Variante, das heißt, wir lassen die Abzweigung nach rechts liegen und gehen noch ein Stück die Straße bergauf. Hier ist sehr gut beschildert, so dass wir die Abzweigung, die von der „Hauptstraße“ wegführt, leicht finden. Kurz darauf treffen wir Leute, die uns erzählen, dass am Dorf-Backofen nicht gemeinsam Brot gebacken wird, sondern das gesellige Beisammensein mit Sengzelten-backen geübt wird. Bald haben wir die letzten Häuser hinter uns gelassen. Nun wandern wir zwischen Baum- und Strauchhecken, naschen an Himbeeren. Der Weg führt über eine Wiese mit schönen Ausblicken leicht bergauf. 

Hecken-Wiesenweg

Am Waldrand setzen wir uns auf die Bank und gucken ins Land, genießen die schöne Aussicht auf den Geißkopf und die Berge Richtung Innerer Bayerischer Wald.

Ausblick Geißkopf

Nach der Rast folgen wir dem flachen (es war auch vorher nicht wirklich steil J ), bequemen Weg durch Fichtenwald, in dem viele Pilze wachsen.

Pilze im Gänsemarsch unterwegs. Wo die wohl hingehen?

So Bäume brauchen ja Pilze. Ohne Pilze würden die Bäume und die Pilze am Hungertuch nagen. Die Bäume brauchen ziemlich viel Wasser und Nährstoffe. Die eigenen Wurzeln können aber nicht so viel aus dem Boden rausholen. Und die Pilze können keine Kohlehydrate bilden. Und deshalb haben sich Bäume und Pilze zusammengetan. Na ja, was soll ich sagen? Dann haben die beiden über ihr Wurzelwerk den Bund der Ehe besiegelt. Das verhilft dem Baum zu mehr in Wasser gelösten Nährstoffen aus dem Boden. Der Baum saugt es auf, verstoffwechselt  sein „Futter“ mit Hilfe des Sonnenlichts. Dann bedankt er sich ganz freundlich beim Pilz für seine Hilfe, und gibt ihm Kohlehydrate zum Fressen. So haben sie also beide was davon, ganz nach dem Motto „Eine Hand wäscht die andere“. Übrigens wird vermutet, dass zuerst die Pilze da waren und diese den Bäumen geholfen haben, Land zu besiedeln. Aber das ist schon seeeeehr lange her…

Wir wandern also durch Fichtenwald. Mit dem vermoosten Boden und den Heidelbeersträuchern ist er schön anzusehen. Ich weiß, dass das kein Nationalpark-Wald ist, deshalb erwarte ich auch keinen „unordentlichen“ Wald mit außergewöhnlich interessanten Waldbildern oder urigen Bäumen. Schnell haben wir den Wald durchquert und sind schon wieder draußen.

Bei Dornhof Richtung Gewitterwolken

Wir erreichen Dornhof. Dornen habe ich nicht gesehen. Wir befinden uns auf einer Hochebene auf ungefähr 700 Metern Höhe. Beschaulich wandern wir auf die Häuser am hinteren Ende der Hochebene zu.  

Farbvielfalt hat was.

Dann freuen uns über kräftig blühenden Blutweiderich.

Blutweiderich

Jetzt könnten wir zum Naturschutzgebiet Todtenauer Hochmoor gehen, wenden uns aber der Markierung folgend wieder nach rechts. Der Weg steigt leicht bergan und leitet wieder in den Wald hinein. An vermoosten Felsen vorbei schenkt uns die Natur diesmal Heidelbeeren. Am höchsten Punkt, so einer Art Kuppe sieht man rechts vom markierten Weg einen Trampelpfad in einem alten Weg. Dieser weiche Pfad mündet am unteren Ende wieder auf den Hauptwanderweg. Wir hören es rauschen und denken, dass da ein großer Bach sein muss. Irrtum! Es ist ein winziger Bach, der da rauscht wie ein Großer. Und wieder naschen wir Himbeeren.

Als wir aus dem Wald treten, regnet es plötzlich. Es donnert. Links hinten, da wo wir hinwollen, braut sich ein Gewitter zusammen. Wir beeilen uns, um über die Wiese nach Dösingerried zu kommen.

Dösingerried

An dem alten Haus vorbei, führt der Weg am Waldrand entlang. Links hinter den Wiesen liegt das Naturschutzgebiet Todtenauer Hochmoor. Vom Moor sieht man von hier aus nichts. Aber wir wissen, dass es dort ist, wo es sein soll.

Blick auf das Gewitter in 700 Metern Höhe

Nach einem einsam gelegenen  Haus wenden wir uns wieder dem Wald zu. Noch dominiert hier die Fichte, aber es mischen sich auch schon andere Bäume unters Baumvolk. Beim fotografieren der Krausen Glucke

Krause Glucke

höre ich etwas summen und sich auf meinen Oberarm setzen. Da gerade viele Bremsen unterwegs waren, will ich das Tier schon vertreiben, sehe aus dem Augenwinkel aber, dass da ein riesengroßes schwarz-gelb-gestreiftes Flugtier mit einem riesengroßen Stachel sitzt. Erst erschrecke ich mal, wegen diesem Riesen von Wespe. Dann erkenne ich die Riesen-Holzwespe  und freue ich mich, dass ich das sehen darf. Sie setzt sich immer wieder auf meine Hose und meint wohl, dass ich ein Baum bin, in den sie ihre Eier legen kann. So kann man sich täuschen. Leider bleibt sie nie so lange sitzen, als dass ich sie photographieren könnte. Schade. Sie ist nämlich ein wirklich schönes und beeindruckendes Tier, allein schon wegen ihrer Größe.

Den Abstecher zur Waldkapelle verkneifen wir uns wegen den mittlerweile zwei heranziehenden Gewittern. Sie grollen und grummeln. Dazwischen habe ich doch noch einen ungewöhnlichen Baum gesehen. 🙂

Der elegante Baum.

Wir erreichen eine recht neue Forststraße. Das ist der etwas weniger schöne Abschnitt des Weges, erfreulicherweise nur kurz. Links sieht und hört man einen Bach plätschern. Wir sind der Meinung, dass man da unten den Wanderpfad hätte anlegen können. Gewitter hin oder her. Auf einem Wirtschaftsweg machen wir trotzdem einen kurzen Abstecher zum Bach.

Wasser von unten

Wir haben es eilig. Dann treten wir aus dem Wald, wo die Forststraße in einen angenehmen Wirtschaftsweg übergeht. 

Schräge Sitzgelegenheit – in der Mitte hinten regnet es schon, so dass wir die Berge nicht mehr sehen.

Von einer Wiese umgeben, steht ein einzelnes, schön saniertes altes Haus in der Gegend rum. Im Hintergrund rückt das Gewitter näher. Der Himmel links ist kohlrabenschwarz. Am Horizont hinten regnet es schon kräftig, nur rechts von uns scheint noch die Sonne. Wir hoffen immer noch, dass das Gewitter an uns vorüberzieht. Auf einer kleinen, Landstraße wandern wir wieder aufwärts, vom Gewitter weg J . Bei Ottenbach biegen wir, immer noch vorschriftsmäßig der Markierung folgend, wieder links in den Wald hinein ab.  Das Gewitter ist aus einem mir unerfindlichen Grund schneller als wir und schon sehr nah. Deshalb bleibt keine Zeit mehr für schauen und knipsen. Nur noch ein schnelles, letztes Foto.

Der Weg bleibt nicht im Wald. Ausgerechnet als wir wieder aus dem Wald auf die freie Flur müssen, sehen wir Zell vor uns liegen. Das wäre nicht weiter dramatisch, wenn uns die schwarze Gewitterwand nicht schon fast eingeholt hätte. Die ersten großen Regentropfen fallen uns auf den Kopf. Schnell gehen wir über die Wiese, werfen keinen Blick mehr auf die Landschaft. Wind kommt auf. Die Kamera ist schon eingepackt. Deshalb gibt es keine Bilder mehr. (Ich werde ein Bild mit Blick auf Zell aber nachreichen). Regen prasselt herunter, der Wind will uns von der Landstraße abbringen. Es donnert. Noch einmal ein Schwenk auf einen Graspfad. Kurz vor dem Ziel schüttet es dann wie aus Eimern.

Fazit: Eine sehr schöne und bequeme Wegführung durch Kulturlandschaft und Wirtschaftswälder mit wenig Steigungen. Überwiegend auf Wald- und Wiesenwegen und ein paar Wiesenpfaden.

Anfahrt: Zwischen Deggendorf und Regen (nicht über B 11, sondern über Rusel) zweigt bei Bischofsmais eine Straße nach Kirchberg i. Wald und Zell ab. Oder von Lalling in Lalling Richtung Regen fahrend kommt man direkt nach Zell. Oder man kann auch auf der B 85 von Kirchdorf i. Wald nach Kirchberg i. Wald abzweigen. Nach Kirchberg links Richtung Deggendorf abzweigen. Da kommt man direkt nach Zell. Oder es gibt noch eine Straße von Rinchnach aus. Alle Wege führen nach Zell. Vielleicht liegt Zell ja am Nabel der Welt?

Parken: In der Ortsmitte beim alten Baum.

Länge: 5 km steht auf dem Wegweiser. Ich denke, es sind 6,5 km.

Gehzeit: 2 1/4 Std.

Markierung: runde, rote 13; gut markiert.

Wanderwegkarte: Fritsch Nr. 60

Strecke: Von der Dorfmitte der Markierung auf der Straße Richtung Lalling folgen. Unmittelbar vor dem Ortsschild zweigt der Wanderweg nach links ab. Immer der Markierung folgen.

Höchster Punkt: 730 m

Niedrigster Punkt: 640 m

Einkehrmöglichkeiten: Dösingerried, Zell.

Zell – Wo es dazugehört: Gemeinde Kirchberg i. Wald, Landkreis Regen

 

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