Es gibt sie! Einsame Wege zum Felswandergebiet im Nationalpark Bayerischer Wald. Meistens dient als Ausgangspunkt für eine Wanderung durch das Felswandergebiet der gleichnamige Parkplatz gegenüber vom Jugendwaldheim. Dort ist deshalb mit erhöhtem Menschenaufkommen zu rechnen. Wir dagegen starten in Sagwassersäge. Das ist gar nicht so weit weg. Und doch sind wir auf dieser Tour die meiste Zeit fast alleine unterwegs.
Wanderkarte, GPX-Dateien und genaue Tourenbeschreibung gibt´s unten. Wandern wir los!
Auf einsamen Pfaden
Die Rundwanderung beginnt beim Wanderparkplatz Sagwassersäge, der völlig abgeschieden liegt. Zuerst folgen wir der Markierung „Flusskrebs“. Über eine Steintreppe bringt sie uns schnell zum Seebach, der über eine Steinstufe hüpft.
Dort mündet kurz danach der breite Weg in einen wunderschönen Pfad. Ab jetzt geht es durch wilden, wildromantischen Wald. Das Weglein mäandert zwischen stehendem und liegendem Totholz hin und her. Ist das schön!
Baumpilze fristen ihr Dasein auf liegendem Totholz oder sie wachsen aus Baumstümpfen heraus. In kleinen Tümpeln sammelt sich Wasser, das munter in kleinen Bächen den Berg herab fließt.
Die Stille des Waldes wird nur von Geräuschen der Natur unterbrochen: von zwitschernden Vögeln, plätscherndem Wasser und raschelndem Laub unter unseren Füßen.
Dieser Abschnitt vom Wanderweg ist mit dem Zeichen „Flusskrebs“ markiert. Unser 8-jähriger Mitwanderer kennt sich aus. Er weiß genau, wo er diese winzigen Krebslein findet. Im Wasser einen Stein gelupft. Und da sind sie! Seine Begeisterung ist auch für uns Erwachsene eine Freude.
Weiter geht´s im Schlendergang. Wir stiefeln langsam durch den dichten, jungen Mischwald und durch wunderbar grüne Vegetation. Der Pfad steigt sanft an, lenkt uns mal von links nach rechts und dann wieder von rechts nach links.
An einem Baum entdecken wir Spuren des von Waldbauern gefürchteten Hallimasch, einem Pilz. Dieser Baum mit seinem gefürchteten Mitbewohner ist schon hinüber. Ob vom Borkenkäfer oder Hallimasch gemeuchelt ist egal.
Horch! Was raschelt da zwischen den Heidelbeersträuchern? Was das wohl ist? Eine Maus oder ein Vogel sind es nicht.
Die hören sich anders an. Wir meinen schon, dass das Rascheln ein ungelöstes Rätsel bleibt. Oder doch nicht? Da bewegt sich was! Eine Blindschleiche?
Doch das ist nicht das einzige, was wir aufspüren. Hin und wieder streifen wir hochgeklappte Wurzelteller. Sie sind ein wichtiger Mikro-Lebensraum. Und bilden sich unter dem Wurzelteller kleine Tümpel, haben wir einen weiteren Spezial-Lebensraum entdeckt.
Dann erreichen wir den Seefilz, wo wir auf den Eisvogel-Rundweg stoßen. Dieser Rundweg ist eine zertifizierte Traumtour im Nationalpark.
Mit der Markierung Eisvogel geht es zunächst an einer auffälligen Buche vorbei, die ich seit Jahren fotografiere.
Wir umrunden die Buche – wie man an den Spuren sieht, haben das viele andere auch schon gemacht. Dann schlendern wir weiter gemächlich bergauf, bis wir eine Ebene erreichen.
Jetzt schieben wir einen Abstecher zur Großen Kanzel ein. Sind ja nur 300 Meter bis dorthin. Ist also in wenigen Minuten erledigt.
Zuerst führt ein bequemer Pfad durch dichten Wald Richtung Mauth, bis ein Hinweis den Abstecher zur Großen Kanzel anzeigt. Auf einem schmalen, steinigen Steig erklimmen wir den Gipfel.
Auf dem Gipfel lädt ein sonniger Platz zum Verweilen ein. Wir können den Blick etwas schweifen lassen. Die viel gelobte Aussicht ist jedoch eingeschränkt.
Dann kehren wir um und gehen am mächtigen Felsen entlang wieder hinunter. Jetzt machen wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Etappenziel.
Auf dem Rundweg Haselhuhn durch das Felswandergebiet
Die Wanderung bis zum Einstieg ins Felswandergebiet ist ausgesprochen bequem. Ab jetzt folgen wir ein Stück der Markierung Haselhuhn. Ein schmaler Pfad lenkt zu den Felsen der „Kleinen Kanzel“, zwischen sie hindurch und um die Felsen herum.
Die Kleine Kanzel mit einer Höhe von 1002 Meter über dem Meeresspiegel ist der höchste Punkt einer Felsgruppe innerhalb vom Felswandergebiet. Sie besitzt den Schutzstatus eines Geotops, also eines flächigen Naturdenkmals. Kleine Kanzel und Umgebung bestehen aus Gneisklippen und Blöcken.
Dass es so aussieht, wie es aussieht, geht auf das Zeitalter des Pleistozän zurück, das ungefähr 2,5 Millionen Jahre gedauert hat. Das war genug Zeit, damit die darüberliegenden mehrere tausend Meter hohen Bergschichten verwittert und abgetragen wurden.
Für den folgenden Abstieg durch das Felswandergebiet lassen wir uns Zeit. Denn immer wieder bleiben wir vor mächtigen Felsen, Leuchtflechten und Biotop-Bäumen stehen. Wir können einfach nicht an ihnen vorbeigehen, ohne sie zu bewundern.
Alte Steintreppen erleichtern den zum Teil steilen Abstieg. Und immer wieder geht es an morschen Baumresten vorbei.
Was ist das für ein seltsamer Lärm ein Stück weiter vorne? Forscht da jemand von der Nationalpark-Verwaltung? Wenn ja, was? Aber komisch ist, dass er so viel Lärm macht.
Als wir um die Ecke biegen, sind ein paar junge Leute mit sichtbarer Freude dabei, einen höheren, morschen Baumstumpf zu demolieren. Das ist schade.
Denn solche Aktionen zerstören einen bedeutenden Lebensraum. Es gibt Mulm-Käfer, die genau dieses Zersetzungsstadium eines Baumes brauchen. Zerstört man das, zerstört man den seltenen Käfer gleich mit.
Als uns die jungen Leute bemerken, ziehen sie schnell weiter. Wir gehen durch die Holzstaub-Wolke, die der künstliche Zerfall hinterlassen hat.
Und weiter geht´s, bis wir am unteren Ende vom Felswandergebiet auf einen idyllischen Rastplatz stoßen. Der einzige weit und breit.
Hier legen wir eine Brotzeit-Pause ein, hören den Vögeln und den leise im Wind rauschenden Blättern zu.
Dann verlassen wir den Rundweg Haselhuhn und folgen einem einsamen Weglein. Wir richten unseren Blick auf den Boden und sehen viele Veilchen am Wegrand.
Über den Ochsenriegel
Für den nächsten Abschnitt lassen wir uns Zeit, um den herrlichen Pfad am Hirschberg zu genießen! Wir bummeln und bummeln.
Wohl nur deshalb entdecken wir den kleinen, schwarzen Käfer auf dem Boden zu unseren Füßen. Mit seinen kurzen Beinen ist er erstaunlich schnell unterwegs. Für den muss ein Blatt ein riesiges Hindernis sein.
Kurz darauf erreichen wir die „Schutzhütte Ochsenriegel“, wo ich einen Wanderstein auslege. Hier treffen wir auch wieder auf die Markierung Flusskrebs, der wir erneut folgen.
Nun geht es eine Weile durch dichten Wald, bevor am Ochsenriegel ein von Brombeeren gesäumter Pfad bergab führt. Mit diesem umrunden wir die Felsen des Ochsenriegel.
Dann wandern wir auf einem angenehmen Pfad am Hang entlang durch lockeren Mischwald.
Schließlich überqueren wir den Seebach über die Brücke, die wir am Anfang schon gesehen haben. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Ausgangspunkt unserer Wanderung, den Wanderparkplatz Sagwassersäge.
So hat mir die Rundwanderung gefallen
Die Landschaft abseits vom Felswandergebiet ist nicht spektakulär. Dafür führt sie in weiten Teilen auf stillen Pfaden durch die Waldnatur des Nationalparks. Diese gemütliche Wanderung gefällt mir ausgesprochen gut. Und dank unserer jungen Begleitung weiß ich jetzt auch, dass Flusskrebse seeehr klein sind.
Diese Sehenswürdigkeiten gibt es entlang vom Wanderweg zwischen Sagwassersäge und Felswandergebiet
Die Highlights dieser Rundtour sind:
- Kleine, mäandernde Pfade durch Wald im Nationalpark
- Stehendes und liegendes Totholz
- Abstecher zur Großen Kanzel
- Felswandergebiet mit beeindruckenden Felsen
Überblick über die Tourdaten der Wanderung
Die Rundwanderung von Sagwassersäge zum Felswandergebiet mit Abstecher zur Großen Kanzel ist 7,6 Kilometer lang. Die Gehzeit beträgt 2,5 Stunden. Ohne den Abstecher zur Großen Kanzel ist die Tour 7,0 Kilometer lang. Der höchste Punkt der Tour ist bei der Kleinen Kanzel mit 1000 Metern, der tiefste Punkt mit 780 Metern am Parkplatz Sagwassersäge.
Die Runde verläuft ausschließlich auf Pfaden und alten, kleinen Waldwegen.
Wander-Start / Wanderparkplatz für die Wanderung ins Felswandergebiet
Start ist beim Wanderparkplatz Sagwassersäge in Sagwassersäge. Der kleine Ort gehört zur Gemeinde Neuschönau im Landkreis Freyung-Grafenau und ist der Tourismusregion „Ferienland Nationalpark Bayerischer Wald“ angeschlossen.
Anfahrt zum Wander-Parkplatz Sagwassersäge
Von Neuschönau kommend zweigt man beim Nationalpark-Zentrum Lusen rechts ab, fährt auf der FRG 19 Richtung Mauth. Die Abzweigung Richtung „Parkplatz Sagwassersäge“ befindet sich auf der linken Seite. Dann sind es noch 400 Meter bis zum Parkplatz.
Adresse Parkplatz / Navi:
Am Sagwasser, 94556 Neuschönau

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Während der Wandersaison ist der Ausgangspunkt der Wanderung mit dem IGEL-Bus erreichbar. Die Bushaltestelle befindet sich 400 Meter vom Parkplatz entfernt an der Nationalparkstraße bei Weidhütte.
Detaillierte Wegbeschreibung zum Wandern vom Sagwasser zum Felswandergebiet
Informationen zum Streckenverlauf: Wanderparkplatz Sagwassersäge – am Seebach entlang – Seefilz – Abstecher Große Kanzel – Felswandergebiet / Kleine Kanzel – Hirschberg – Ochsenriegel – Parkplatz Sagwassersäge.
Wanderetappe vom Parkplatz Sagwassersäge bis Seefilz
Vom Parkplatz folgen wir den Markierungen „Rundweg Flusskrebs“ und „Tanne“ Richtung Mauth und „Große Kanzel“. Direkt vom Parkplatz geht es über eine kleine Steintreppe bergauf. Dann kreuzen wir eine Froststraße und schlendern an einem kleinen Bach entlang. Bei der Brücke, auf der wir zurückkommen, folgen wir der Markierung Tanne Richtung Mauth / Große Kanzel geradeaus. An der nächsten Abzweigung kurz darauf geht es wieder rechts. Der Pfad schlängelt sich durch den dicht nachwachsenden Wald mit viel liegendem Totholz, lenkt an Bächlein vorbei und über Rinnsale hinweg. Später zweigt die Markierung Flusskrebs rechts ab, die wir hier aber verlassen. Wir folgen weiter geradeaus der Tanne. Nun geht es stets leicht bergauf bis wir eine Hochebene erreichen, den sogenannten Seefilz. Hier befindet sich auch eine Wandertafel, die der groben Orientierung dient.
Wanderetappe vom Seefilz über Große Kanzel zum Felswandergebiet
Bei der Wandertafel zweigen wir mit dem Eisvogel und der Tanne rechts Richtung Mauth / Große Kanzel ab. Hier heißt es auch Richtung Nationalparkzentrum Lusen und Felswandergebiet. Der Weg lenkt zuerst eben durch oft jungen Wald, dann gemächlich bergan. Nach einem längeren sanften Anstieg kommen wir an eine Abzweigung. Hier machen wir einen Abstecher zur Großen Kanzel. Dafür zweigen wir mit den Markierungen „Eisvogel“ und „Tanne“ links Richtung Mauth ab. Ein Pfad lenkt eben durch dichten Wald, bis nach 250 Metern rechts ein Hinweis den Abstecher zur Großen Kanzel anzeigt. Auf einem schmalen Steig geht es am Felsen entlang bergauf zum Gipfel der Großen Kanzel. Dann kehren wir um und folgen dem Weg auf der Ebene zurück bis zur Abzweigung, wo wir den „Hauptwanderweg 3 Bäume“ verlassen haben. Hier zweigen wir jetzt links Richtung Nationalparkzentrum Lusen und Felswandergebiet ab. Es geht ein kurzes Stück auf der bewaldeten Ebene weiter, bevor wir mit den „Hauptwanderweg 3 Bäume“ und dem Hinweis Richtung Sagwasser und „Rundweg Felswandergebiet“ rechts abbiegen.
Wanderetappe vom Felswandergebiet bis Parkplatz Sagwassersäge
Ein paar Meter geht es noch eben weiter, dann steigt der Pfad leicht an. Schließlich schlängelt er sich zwischen einigen engen Felsen hindurch. Nach einem kurzen Abstieg trennen sich an einer weiteren Abzweigung der Hauptwanderweg 3 Bäume und der „Rundweg Felswandergebiet“. Wir folgen der Markierung Haselhuhn Richtung Felswandergebiet links bergab. Der Pfad schlängelt sich immer weiter durch die Landschaft mit vielen Felsen. Oft erleichtern Steinstufen den Abstieg. Am unteren Ende angekommen stoßen wir auf einen Rastplatz. Gleich danach treffen wir auf eine T-Kreuzung. Hier zweigen wir ohne Markierung rechts auf den kleinen Weg ab. (Links führt das Haselhuhn weiter). Wir folgen dem Weg, der sich später verjüngt und immer mehr zuwächst. Nach etwa 900 Metern stoßen wir auf einen Querweg, der von rechts oben nach links unten zieht. Das ist der Hauptwanderweg mit der Markierung „3 Bäume“. Die Markierungen sind nicht direkt an diesem Anschluss. Hier zweigen wir links ab, folgen damit wieder dem Hauptwanderweg. Es geht ein Stück leicht bergab. Kurz danach lenkt der bequeme, fast ebene Pfad durch dichten Jungwald am Hirschberg und stößt schließlich auf die Schutzhütte Ochsenriegel (860 m ü. NN). Hier geht es mit dem Flusskrebs und Richtung Spiegelau / Nationalparkzentrum Lusen geradeaus weiter. Schließlich macht der Weg einen Linksknick und führt wieder bergab, später auch über einige Steinstufen. Dabei geht es um die Felsen vom Ochsenriegel herum. Der alte Steig lenkt anschließend am Hang entlang, bis wir auf die Brücke stoßen, die wir am Anfang bereits gesehen haben. Hier biegen wir Richtung Sagwasser links ab, kreuzen wieder die Forststraße und gehen über die Steintreppe wieder hinab zum Wanderparkplatz Sagwassersäge.
Wanderungen in der Nähe von Sagwassersäge
In der näheren Umgebung gibt es noch mehr schöne Touren. Hier ist eine kleine Auswahl.
- Reschbach und Planetenweg in Mauth
- Entspannte Aussichtsrunde um Neuschönau
- Höhenmeter sammeln auf dem Weg zum Lusen
Wanderkarte Sagwassersäge – Felswandergebiet Bayerischer Wald
Der GPX-Track ist bei outdooractive eingestellt.

Hintergrundkarte: © Bayerische Vermessungsverwaltung (2026) / Datenquelle: Geoportal Bayern www.geoportal.bayern.de





































