Eine Schneeschuhtour zum Kleinen Arber.

Blick über den Kleinen Arber zum Großen Arber. Goldsteig.

Blick über den Kleinen Arber zum Großen Arber. Goldsteig.

Einsam und sonnig wollte ich es bei meiner wahrscheinlich vorletzten Schneeschuhtour in diesem Winter haben. Ich hatte schon ein Ziel im Auge: Richtung Kleiner Arber. Obwohl sich einsam und Kleiner Arber eigentlich ausschließen! Aber es funktioniert trotzdem!

 

 

 

Vom Parkplatz in Bodenmais laufe ich, die Schneeschuhe auf dem Rucksack verstaut, mit der Markierung „zu den Wanderwegen im Arbergebiet“ zum ersten Aussichtspunkt an der Klause. Es heißt, hier habe im 18. Jahrhundert ein frommer Bruder gelebt. Für eine Rast ist es nach vielleicht 70 Metern wirklich noch zu früh, aber die Aussicht auf Bodenmais und die umgebenden Berge wie den Silberberg sind herrlich!

Aussicht über Bodenmais.

Aussicht über Bodenmais.

Nun geht´s steiler weiter. Auf der gewalzten Tourenabfahrts- und Schlittenbahn spaziere nicht nur ich, sondern auch andere SpaziergängerInnen aufwärts.

Winterwanderweg bei Bodenmais Richtung Kleiner Arber.

Winterwanderweg bei Bodenmais Richtung Kleiner Arber.

Es wird flacher und ich ziehe über eine große Kreuzung geradeaus weiter. Rechts würde der Winterwanderweg abzweigen, den ich jedoch nicht beachte.

Vor größeren Felsen guckt mir auf einer winzigen, ausgeaperten Stelle die erste Pestwurz entgegen.

Von der Pestwurz glaubte man früher, dass sie gegen die Pest helfen würde.

Von der Pestwurz glaubte man früher, dass sie gegen die Pest helfen würde.

Bevor ich die Steigerfels-Kapelle erreiche, schaue ich noch mal zurück.

Die Kapelle ist der Rest von einer ehemaligen Hofstelle, die aufgegeben wurde, weil die Flächen in dieser Höhe doch arg karg und schwer zu bewirtschaften waren.

Steigerfelskapelle

Steigerfelskapelle

Ich folge dem gewalzten Weg immer noch ohne Schneeschuhe, mache eine Winterwanderung draus. Von nun an geht es mal steiler, dann wieder ebener dahin. Der Weg gibt grad nicht so viel her, mal ein paar Felsen hier und ein paar blattlose Laubbäume zwischen den vielen Fichten dort. Im Sommer gehe ich diesen Weg nie! Davon lasse ich mich aber im Winter nicht abschrecken.

Nach der Rothsallebene.

Nach der Rothsallebene.

Obwohl hier ein breiter, gewalzter Weg entlang führt, gefällt mir die Rothsallebene, die ich jetzt erreiche, immer wieder. Der Platz hat was. Ich bleibe stehen, höre der Stille zu, lasse mir von der Sonne das Gesicht wärmen und bin von der verschneiten Landschaft entzückt. Los ist hier nichts. Nur an den Spuren sehe ich, dass hier ab und zu Leute mit Hund oder mit Tourenskiern unterwegs waren.

Ab und zu sind auch fressende Mäuse unterwegs. Am Fichtenzapfen sieht man genau, welches Tier daran gefressen hat. Die Maus nagt alles ordentlich ab.

Spuren von einer Maus  an Fichtenzapfen.

Die Schneeschuhe habe ich immer noch nicht angeschnallt. Die Fichten hängen voller Tannenzapfen.

Die berühmten Tannenzapfen, die an Fichten hängen.

Die berühmten Tannenzapfen, die an Fichten hängen.

Der Wald wird jetzt noch etwas eintöniger, weil fichtiger. Sei´s drum. Ich weiß, was  noch Schönes kommt und nehme es gelassen, genieße den knirschenden Schnee unter meinen gut besohlten Füßen. Manchmal sehe ich zurück:

Blick zurück beim Anstieg.

Blick zurück beim Anstieg.

Nach einem steileren Stück erreiche ich den Buchhüttenschachten.

Blick vom Buchhüttenschachten zum großen Arber.

Blick vom Buchhüttenschachten zum großen Arber.

Schachten sind Weiden in den Hochlagen, die dem Wald vor 400 Jahren abgetrotzt wurden. In den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden sie aufgegeben. Diese Waldweide allerdings wird seit Kurzem wieder beweidet, stilecht mit einem Hirten.

Über den sonnigen Anstieg – nun wieder auf einem Winterwanderweg – über die fast baumfreie Waldwiese freue ich mich heute besonders, weil die Sonne so schön wärmt, wenn auch nur meinen Rucksack auf dem Rücken.

Auf dem Buchhüttenschachten nach oben.

Auf dem Buchhüttenschachten nach oben.

Am oberen Ende angekommen, setze ich mich mit Blick über den Schachten und Richtung Sonne auf ein idyllisches Bänklein am Waldrand, genieße die Stille und die Sonne.

Herrlich!

Herrlich!

Weil´s grad so schön ist, packe ich gleich meine Brotzeit aus und gucke in die Landschaft.

Blick über den Buchhüttenschachten zum Vorderen Bayerischen Wald.

Blick über den Buchhüttenschachten zum Vorderen Bayerischen Wald.

Ab und zu ziehen Wandersleute vorbei. Es dauert eine Weile, bis ich mich losreißen kann. Aber irgendwann ist es so weit. Das Beste habe ich schließlich noch vor mir! Erneut führt der Winterwanderweg wieder steiler bergauf. Später mündet er in die  Langlaufloipe „Auerhuhn“ ein. Was andernorts schier unmöglich scheint, ist hier Alltag: Hier nutzen Winterwanderer und LangläuferInnen in friedlicher Koexistenz die gleiche Bahn.

Langlaufloipe und Winterwanderweg mit Blick zum Kleinen Arber.

Langlaufloipe und Winterwanderweg mit Blick zum Kleinen Arber.

Steile Stücke wechseln sich mit fast ebenen ab. Ich erhasche einen Blick auf den Kleinen Arber, überquere eine fast baumlose Windwurffläche, habe einen schönen Blick auf den Kleinen und Großen Arber.

Über die sonnige, verschneite Wiese gucke ich auf den Gipfel des Großen Arbers mit seinen Radarkuppeln und dem Wagnerkopf. Der heißt so, weil er aus einer bestimmten Perspektive wie der Kopf des Komponisten Richard Wagner ausschaut.

Der Wagnerkopf auf dem Großen Arber.

Der Wagnerkopf auf dem Großen Arber.

Jetzt ist schon deutlich mehr los. Ganze Pulks von LangläuferInnen sind an diesem strahlend-blauen Wintertag unterwegs. Da wird in der Chamer Hütte ganz schön was los sein und die Sonnenplätze draußen sind bestimmt alle belegt. Da ich schon Brotzeit gemacht habe, gehe ich gar nicht bis zur Chamer Hütte, sondern biege vorher am Fuße des Kleinen Arbers auf den kleinen markierten Wanderpfad ab.

Ich schnalle meine Schneeschuhe an und lasse endlich den breiten, präparierten Weg hinter mir.

Richtung Eck.

Mit dem europäischen Fernwanderweg Richtung Eck.

Zwischen Fichten und dann über Windwurfflächen tauche ich in die Waldeinsamkeit ein.

Fast unberührter Schnee am Fuße des Kleinen Arbers.

Fast unberührter Schnee am Fuße des Kleinen Arbers.

Der Windwurf bietet einen freien, weiten Blick  in Richtung Vorderer Bayerischer Wald auf der einen Seite und in das Lamer Tal mit dem Osser auf der anderen Seite.

Blick zum Osser.

Blick zum Osser.

Im Lamer Tal sieht man, dass der Schnee schon weitgehend weggetaut ist. Na ja. Liegt auch fast 800 Meter tiefer.

Da vorne ist der Berg Enzian und unterhalb die Enzianwiese. Da will ich hin.

Blick über den Enzian zum Hohenbogen.

Blick über die schneebedeckte Kuppe des Enzians zum Hohen Bogen.

Eben und dann leicht abschüssig spaziere ich mit meinen Schneeschuhen in der warmen Sonne weiter. Immer wieder mal drehe ich mich um.

Eiszapfen.

Eiszapfen.

Hat schon mal jemand nachgemessen, ob das stimmt, dass der Kleine Arber niedriger ist, als der Große? Sieht aus dieser Perspektive ganz anders aus.

Blick von hinter dem Kleinen Arber zu den Radarkuppeln des Großen Arbers.

Blick von hinter dem Kleinen Arber zu den Radarkuppeln des Großen Arbers.

Der markierte Weg schlängelt sich bei der Enzianwiese über eine moorige Senke. Den Blick fest auf den Berg Enzian geheftet schnaufe ich beim Bergauf gehen. Durch lichten Baumbestand wandere ich aussichtsreich bergab zum Hüttlschachten.

Hier setze ich mich noch mal auf die Ecke einer Bank – der Rest ist voll Schnee -, knabbere an Studentenfutter und Schokolade und schlafe im Sitzen ein, so warm und angenehm ruhig ist es hier.

Irgendwann wache ich wieder auf. Da ich noch ein gutes Stück Weg vor mir habe, der mit den Schneeschuhen länger dauert, reiße ich mich erneut vom Rastplatz los, auch wenn es grad so angenehm warm und ruhig ist.

Blick über den Hüttlschachten zum Kleinen Arber.

Blick über den Hüttlschachten zum Kleinen Arber.

Über den Hüttlschachten führt der markierte Weg abwechselnd fast eben, dann wieder steiler nach unten durch Buchenwald und Mischwald.

Buchenlaub.

Buchenlaub.

Ich befinde mich nach wie vor im Auerwildschutzgebiet, wo um diese Zeit zum Schutz des Auerhuhns nur markierte Wege genutzt werden dürfen.

Auerwildschutzgebiet.

Auerwildschutzgebiet.

Das Auerhuhn hat es in dieser Höhe im Winter sehr schwer. Seine bevorzugte Leibspeise Heidelbeeren und –sträucher sind unter tiefem Schnee vergraben. So bleiben ihm nur mehr Fichtennadeln als Nahrung. Diese sind allerdings nicht leicht verdaulich, sondern müssen im Magen lange aufgeschlossen werden. Deshalb muss das Auerhuhn im Winter mit seiner Energie haushalten. Und genau darum darf man um diese Zeit nur auf markierten Wegen gehen.

Denn erschreckt sich das Auerwild, braucht es lange, bis es diese dabei verlorene Energie wieder aufholt. Das kann so weit führen, dass sich das Auerwild im nächsten Frühling nicht fortpflanzen kann. Da das Überleben der Auerhühner in der Region gefährdet ist, kann jede Saison, in der es keinen Nachwuchs gibt, mit ein Grund sein, dass das Auerwild hier ausstirbt.

Ich verlasse das Auerwildschutzgebiet, überquere die Langlaufloipe.  Der Weg fällt steiler ab. Aus dem breiten Weg ist schon lange ein schmales Weglein, stellenweise ein Pfad geworden.

Am Moosbach nach unten.

Am Moosbach nach unten.

Seitlich höre ich den Moosbach rauschen, dem ich mich immer mehr nähere, bis ich ihn auf einer Brücke überschreite.

Am Moosbach.

Am Moosbach.

Ein Stück noch gehe ich am Bach entlang, sehe eine Albino-Schildkröte,

Ob die wohl friert?

Ob die wohl friert?

bevor ich wieder auf einem gewalzten Winterwanderweg lande. Hier befreie ich mich von meinen Schneeschuhen und ich wandere gemächlich auf fast ebener Strecke Richtung Bodenmais. Auf dem winzigen, geteerten Waldweg mitten im Wald spaziere ich durch Oberlohwies

Ein altes Bauernhaus in Oberlohwies.

Ein altes Bauernhaus in Oberlohwies.

und erreiche nach kurzer Zeit wieder den Parkplatz.

Fazit: Auch wenn das erste Drittel des Weges auf breitem, gewalztem Weg verläuft, gefällt mir die Tour immer wieder. Beim Kleinen Arber hat man eine umwerfende Aussicht und hat die Strecke meistens fast für sich alleine.

Start / Parken: Bodenmais – Klause / Parkplatz „Chamer Hütte“. In Bodenmais von der Hauptstraße, die durch den Ort durchführt (Bahnhofstraße, die in die Kötztinger Straße übergeht) in den Amselweg abbiegen. Dann nach vielleicht 20 Metern die nächste links (Scharebenstraße) nehmen. Diese steigt steil bergan, führt zwischen Hotels in den Wald hinein. Dann die erste Abzweigung rechts nehmen. Ein Hinweisschild weist auf die Parkmöglichkeit für die Chamer Hütte hin. Der Parkplatz befindet sich unmittelbar nach der Abzweigung auf der rechten Seite.

Streckenlänge: ca. 13 km

Gehzeit: 5 Stunden

Wanderkarte: Habe ich bei outdooractive eingestellt.

Wegbeschreibung / Markierung: Immer mit der Ruhe – kommt noch.

Tiefster Punkt:  um die 760 m über NN

Höchster Punkt: um die 1300 m über NN

Einkehrmöglichkeiten: Chamer Hütte am Fuße des Kleinen Arbers.

 

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Ein Kommentar zu Eine Schneeschuhtour zum Kleinen Arber.

  1. Malte sagt:

    Hallo! Die Tour zum kleinen Arber scheint wirklich sehr schön zu sein, was man anhand Ihrer Bilder sehr gut sehen kann. Mir gefällt besonders, dass man dort in Ruhe wandern kann. Genau wonach ich gesucht habe! Ich mache dieses Jahr zwar schon Urlaub am Matterhorn, jedoch ist gegen eine kleine Wandertour nichts einzuwenden =) Vielen Dank für Ihren klasse Artikel und beste Grüße

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