Burgruine Altnussberg und Schwarzer Regen

26. Oktober. Der Wetterbericht hatte den ersten Schneefall bis auf 500 Meter herunter gemeldet. Deshalb habe ich eine Tour ausgewählt, die ich schon lange wieder einmal gehen wollte und die nur bis zur „Schneegrenze“ ging.

Los geht´s am Parkplatz „Burganlage“. Ich kehre der Burg den Rücken zu, genieße die Aussicht in das Regental und entferne mich immer weiter von der Burg. Die Burgruine hebe ich mir als „Schmankerl“ für den Schluss auf.

Unten ist das Regental

Bei einer kleinen Scheune steige ich bergauf. Im inneren Waldrand (gibt es so etwas überhaupt?) wandere ich mit Blick auf den Turm der Burgruine vor mich hin.

Auf dem Weg “Altnussberger Runde” gibt es Interessantes zu lesen.

Interessant

Im Mischwald dominieren anfangs die Nadelbäume, aber das wechselt später immer wieder.

Wie ein Tier

Es geht etwas steiler bergauf, und dann noch steiler auf den Knogelberg. Dazwischen liegen immer wieder Felsen und eine Mischung aus Laubbäumen (meistens Buchen), Fichten, Tannen, Kiefern und Heidelbeersträuchern. Der Pfad führt wieder bergab oder eben dahin. Ich nehme es, wie es kommt. Langsam schlendere ich auf weichem Waldweg. Obwohl es neblig ist, leuchten die herbstlich verfärbten Blätter intensiv gelb um die Wette.

Buntes Laub vor Felsen

Die bunten Blätter zeigen nicht nur mir, dass der Winter in den Startlöchern steht. Auch die Laubbäume erkennen an den kürzeren Tagen die Zeichen der Zeit. Da die Bäume sehr viel Wasser über ihre Blätter „verlieren“, könnten sie im Winter Verdursten. Deshalb werfen sie die Blätter ab und dichten die Abtrennstellen von den Blättern ab. Die Bäume müssen ganz schön viele Handwerker beschäftigen. Lauter kleine Wichtel, die da auf den Blattansätzen rumturnen und werkeln, mauern und spachteln. Wo sie die wohl herbekommen? Jetzt, wo gerade der große Bauboom herrscht und die BauarbeiterInnen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag ausgebucht sind.

Mit diesen Überlegungen beschäftigt, gehe ich weiter auf dem Weg, der zum breiteren Pfad wird. Dann wieder wird er zum Waldweg, auf dem nur ein schmales Gefährt fahren kann. Nur dass hier scheinbar schon länger keines mehr gefahren ist. Der Waldweg geht schon fast als Pfad durch. Die Felsen sind vermoost.

Wurzeltiere

Auf dem Boden raschelt mal Laub, dann wieder liegen weich federnde Nadeln rum. Der hohe Laubbaum-Anteil wechselt sich schnell mit wenig Laubanteil ab. Erfreulicherweise gibt keine breiten Forststraßen durch diesen Wald.

Auf dem Ameisenhaufen ist es ruhig. Der Ameisenhaufen sagt mir, dass hier die Rossameise nicht wohnt. Die baut keine Hügel, sondern wohnt im Baum, den sie so nach und nach aushöhlt und damit instabil macht. Der Baum kann trotzdem munter weiterleben. Die BaumeigentümerInnen im Wirtschaftswald freut´s nicht so sehr. Denn so ein durch und durch angenagter Baum taugt nicht mal mehr als Brennholz. Aber den Schwarzspecht freut es, wenn da die Rossameise haust. Die ist nämlich seine Leibspeise.

Zwischenzeitlich bin ich weitergegangen und ein kleiner dunkler Fichtenwald beeindruckt mich durch dichtes, sattgrünes Moos am Boden. Der Waldweg ist stellenweise mit Gras bewachsen, dann steinig, dann wieder voller Laub. Dazwischen liegen kleine Inseln aus jungen Fichten, die sehr eng zusammen stehen. Das Zusammenkuscheln scheinen auch die Bäumchen zu lieben, so dass sie weder Schal noch Mütze brauchen.

Bunt geht´s zu vor Forsthaus

Bei Forsthaus sehe ich Gebäude an den Hängen auf der gegenüberliegenden Talseite. Da sind Schönau, andere winzige Orte und die Ruine Neunussberg. Das Wasser des Schwarzen Regens höre ich schon rauschen, obwohl es noch etwas dauert, bis ich es zu Gesicht bekomme.

Haus

Bei Forsthaus gehe ich neuerdings kurz auf Asphalt, früher war das kein Teer. Daneben versucht es nicht nur der Beinwell mit einer zweiten Blühperiode, sondern auch eine Distel und andere Blumen.

Herbstblumen bei Forsthaus

Das ist ein Phänomen, das ich seit einigen Jahren immer wieder beobachte: Walderdbeeren und Brombeeren, die im Oktober und November noch frisch produzierte Früchte tragen.

Ein Wegweiser leitet wieder in den Wald. Dann wandere ich kurz auf Asphalt bis ich am Schwarzen Regen bin. Dort kann man den Regen überqueren. Auf der gegenüberliegenden Flussseite gibt es einen Wanderparkplatz mit Tisch und Bänken. Den peile ich jedoch nicht an, weil der an der befahrenen Straße liegt, sondern ich bleibe auf der diesseitigen Regenseite, gehe neben dem Wanderbahn-Gleis, das mich vom Wasser trennt, weiter flussabwärts. Beflügelt von der Aussicht auf einen schöneren Rastplatz mache ich mich beschwingt auf die Wandersocken, die allerdings heute nicht rauchen, weil es grade mal niedrige einstellige Temperaturen hat. Am Rastplatz mache ich es mir gemütlich. Der Schnee lässt auf sich warten.

Blick vom Rastplatz im Sommer

Auf dem Tisch liegen viele Eicheln. Irgendwo habe ich gelesen, dass viele Eicheln einen frühen und langen Winter ankündigen sollen. Der Wetterbericht hat die Eicheln wohl auch gesehen und deshalb Schnee angekündigt?

Im Sommer fliegen hier Schmetterlinge.

 

Im Regental, das links von den Regenhängen und rechts von zum Teil steilen Felswänden flankiert wird, bummle ich gemütlich auf der Forststraße neben dem Gleis, das mich vom Wasser trennt. Momentan sind weder wesentliche Steigungen oder Gefälle zu überwinden. Da kann ich mich ganz und gar auf die Wasser-Seite konzentrieren.

Das Indische Springkraut auf dem Weg zur Massenvermehrung

Da es Herbst ist und schon viel Laub gefallen ist, sehe ich viel vom Wasser. Da hat die Forststraße den großen Vorteil, dass ich mich nicht auf den Weg konzentrieren muss, sondern „Sonja-guck-in-die-Luft“ spielen kann.. Rechts vom Weg begleiten mich Eichen, andere Bäume und Sträucher.

Herbstlaub

Was links ist, weiß ich nicht, weil ich immer nach rechts geschaut habe. Dann gebe ich mir einen Ruck und gucke nach links. Die vielen Rückegassen sind schon wieder mit Gras überwuchert. Hier hängen viele Vogelhäuschen. Sie sollen fehlende Biotopbäume, in denen Vögel nisten könnten, ersetzen.  An der anderen Uferseite ragt eine steile Felswand in die Höhe. Die Funktion des Schildes davor spricht für sich:

Unter KanufahrerInnen wird der Teil des Regens Bayerisch Kanada  genannt. Jetzt weiß ich, warum.

“Bayerisch Kanada”

Das Wasser ist bisher ziemlich schnell über größere Steine geflossen. Plötzlich habe ich den Eindruck, als ob sich das Wasser nicht mehr bewegen würde. So ruhig kommt es daher. Ich drehe mich um und erkenne, dass das Regental ziemlich ziemlich tief eingegraben ist. Dann steuere ich auf den Wanderbahn-Haltepunkt mitten im Nichts zu. 

Haltepunkt Schönau

Die Felswände auf der anderen Uferseite weichen zurück. Ein schmaler Wiesenstreifen wird sichtbar. Weiter geht es durch vermoosten Fichtenwald am Bahngleis vorbei.

Ein Waldweg

 

Wasserblick

Über einen Wiesenrand und noch einmal ein kleines Stück Wald gelange ich an den Wanderbahn-Haltepunkt Gstadt bevor ich den Regen verlasse.

Der Haltepunkt Gstadt ist im Sommer ein lauschiger Sitzplatz.

Das Wasser will sich immer noch nicht verabschieden, denn es gibt noch ein paar Teiche. Der markierte Weg führt nach oben aus dem Wald heraus und in einer großen Linkskurve an einer Wiese entlang. Der Weg ist mit gelben Zitterpappel-Blättern bedeckt. Ich bleibe stehen und schaue zurück. Dabei habe ich wieder schöne Blicke auf Neunussberg und Schönau.

Blick nach Neunussberg – Die Punkte am Himmel sind fallende Blätter

 

Schönau im Sommer

Bald nach der Linkskurve lasse ich die häuser- und autolose Gegend hinter mir. Als der Weg wieder flacher wird, erreiche ich die ersten einsam gelegenen Häuser. Kurz danach gelange ich an eine Landstraßen-T-Kreuzung. Hier gehe ich für etwa einen Kilometer links auf der Straße entlang. Während dieser Zeit begleitet mich der Verkehrslärm der nahen B 85. Schade. Die Ausblicke auf die Berge des Vorderen Bayerischen Waldes wie Pröller und Co. sind nämlich ganz schön.

Es geht wieder über eine Wiese nach oben in den Wald. Von hier aus habe ich den Schlossberg mit der Burgruine im Visier. Außerdem sehe ich weiter hinten rechts die Radarkuppeln vom Großen Arber.

Links die Burg und rechts  der Arber – Auf dem hinteren Berg sind links zwei “Türme”. Das sind die Radarkuppeln des Großen Arbers.

Und noch weiter rechts auch noch das Dorf Altnussberg. Und ich höre den Straßenlärm, der von Geiersthal / Teisnach und der B 85 raufkommt. Ich lege trotzdem am Waldrand eine kurze Sitzpause ein. Und so kann ich einige Photos vom Sitzen aus machen.Auf der Wanderwegetafel steht, dass es noch zwei Kilometer bis zur Burgruine sind.

Der Wiesenweg zieht wieder nach unten. Bei Oberleiten lockt ein neues Panorama.

Panoramablick von Oberleiten

Dann wandere ich auf einem schmalen, laubbedecktem Waldweg, der stellenweise wie ein Hohlweg wirkt, raschelnd bergauf. Auf einer Art Bergkamm ohne Ausblick wandere ich weiter und bin vom Farbenspiel beeindruckt.

Herbst

Eine weitere Tafel der Altnussberger Runde wartet mit Geistergeschichten auf. Uuuuhu, ganz schön schaurig! Über Stufen steige ich nach oben. Dann noch einmal Felsen:

Felsen

Kurz darauf bin ich an der Burganlage mit Aussichts-Burgturm. Ein rühriger Verein setzt das alles instand. Den Eigentümern des 12. Jahrhunderts gehörten neben dieser noch weitere Burgen. Eine Besonderheit ist der Burgturm. Er ist fünfeckig. Auf Betonplatten geht es wieder abwärts. Ein vorletzter Panorama-Blick.

Es ist nicht mehr weit bis zum Parkplatz. Ich mache noch einen kleinen Umweg und zweige bei der Bank unmarkiert nach rechts in den Wald ab, habe diesen Blick und

Burgturm

treffe wieder auf eine Bank. Dort gibt es noch mal eine Info-Tafel der „Altnussberger Runde“. Ich wende mich nach links, am inneren Waldrand entlang, bis ich nach ein paar Minuten wieder den Parkplatz erreiche.

Fazit: Hier war ich vor Jahren schon mal. Es gibt einen guten Anfang mit Talblick und es geht auf schönen Wegen und Pfaden durch Wald, der immer wieder von Felsen durchsetzt ist. Die gute Mitte bildet der Spaziergang am Regen. Und die Burgruine sehe ich als Höhepunkt zum Schluss an.

Der Spätherbst war die richtige Jahreszeit für diese Wanderung. Die Herbstfärbung tat das ihre dazu, dass mir die Wanderung angenehm in Erinnerung bleibt. In den Waldpassagen waren es die herbstlichen Farben, die den Wald abwechslungsreich erscheinen ließen.

Durch den Laubfall hatte ich am Regen viel öfter einen Blick auf das Wasser, als das im Sommer der Fall gewesen wäre. Am Regen hat mich die etwa zwei Kilometer lange Forststraße diesmal nicht gestört, weil ich dadurch immer wieder zum Wasser schauen konnte, ohne schauen zu müssen, wohin ich trete. Beeindruckend war der Abstecher ans Wasser mit den Steilfelsen. Bayerisch Kanada eben. Was ich von meiner früheren Wanderung nicht mehr in Erinnerung hatte, war der Verkehrslärm auf der Landstraße.

Alternative: Um dem Verkehrslärm auf der Asphaltstraße im letzten Drittel zu entgehen, werde ich nächstes Mal einen auf der Karte eingezeichneten, aber unmarkierten Weg ausprobieren: Nach den Teichen bei dem Wanderbahn-Haltepunkt Gsadt zweigt dort, wo der blau markierte Wanderweg eine Rechtskurve macht, halblinks ein unmarkierter Weg nach oben ab. Der müsste in das Dorf Hinterberg führen, das in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dorf Oberleiten liegt. So dass nach 1,30 Kilometer unmarkierten Weges der Anschluss an die beschriebene Tour wieder gelingen müsste. Das spart neben Lärm auch ein-einhalb Kilometer Gehstrecke.

Bewertung:  1,5 Sterne

Start / Parken: Altnussberg, Burganlage. In Altnussberg die Dorfstraße entlang und dann die Burgstraße hoch fahren. Da ist dann der Parkplatz irgendwann beschildert. Altnussberg liegt zwischen Teisnach / Geiersthal und Viechtach an der REG 19.

Adresse: Altnußberg, 94244 Geiersthal

Start: N 49 o, 03´ 40.7´´; O 12o 58´12.2´´

Streckenlänge: 16 km.

Gehzeit: 5 ½ Stunden

Streckenkarte:

Wanderkarte

Wegverlauf / Markierung: Parken Burganlage. Mit der roten runden 5 Richtung „Gumpenried 3,6 km.“ Zuerst über eine Wiese und am anderen Ende bei einer kleinen Scheune die 5 verlassen und nach rechts oben der „Altnussberger Runde“ folgen. Am Waldrand entlang, anfangs bergauf, dann kurz bergab. Bei der Infotafel zur Fichte zweigt im spitzen Winkel ein unmarkierter Waldweg nach oben ab. Diesem folgen. Man trifft auf die runde rote 1. Dieser später mit der Richtung „Kapelle Steinzen“ und „Felking“ folgen. Aufwärts. Dann wenige Meter flach nach rechts und wieder nach rechts unten. Hier muss man die Beschilderung etwas suchen. Später mit der runden roten 3 und runden roten 5 Richtung „Gumpenried 3 km“ nach links abzweigen. In der Nähe ist eine Lichtung. Mit den beiden Nummern Richtung „Forsthaus“ weitergehen. Bei Forsthaus rechts kurz auf Asphalt und dann wieder nach links unten in den Wald. Das Kraftwerk Gumpenried liegt an einer Teerstraße. Auf der diesseitigen Seite des Flusses bleiben und auf einer Forststraße mit der roten 3 oder roten 5 flussabwärts Richtung „Altnussberg“ oder mit der blauen, eckigen 3 Richtung „Viechtach 11 km“ gehen. Der Weg folgt jetzt lange dem Flusslauf.

Dabei die rote 5, als auch die rote 3 links liegen lassen, weiter am Regen entlang und weiter der blauen 3 Richtung Viechtach folgen. Am Haltepunkt Gstadt verlässt man den Regen, folgt weiter der blauen 3 bis zu den ersten Häusern (Haid am Sand). Auf dem Hauptweg bleiben. An der Landstraße mit der T-Kreuzung zweigt die blaue 3 nach rechts ab, hier links einen guten Kilometer leicht bergauf überwiegend zwischen Wiesen und an Waldrändern wandern. Später sieht man die alte Markierung der blauen, eckigen 7 an den Bäumen. Bei Seigersdorf trifft man auf die Hauptstraße. Nach den Häusern kurz der Hauptstraße geradeaus folgen und dann nach wenigen Metern mit der roten runden 2 Richtung „Burgruine Altnussberg“ über die Wiese nach links oben zum Wald. Über die Kuppe geht es wieder nach unten in das Dorf Oberleiten. Mit der roten runden 2 im Wald nach oben bis zur Burgruine und dann mit der roten runden 2 auf Betonplatten zurück zum Parkplatz.

Wanderkarte: Fritsch Nr. 57, oder Fritsch Nr. 117

Tiefster Punkt:  Am Regen, ca. 451 Meter

Höchster Punkt: Auf dem Schlossberg. Die Karte sagt 673 Meter. Es könnte aber auch der Knogelberg mit 708 Metern sein.

Einkehrmöglichkeiten: Während der Wandersaison (April bis Ende Oktober) Burgschänke bei der Burgruine, sonst unterwegs keine.

 

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Ein Kommentar zu Burgruine Altnussberg und Schwarzer Regen

  1. Liebe Sonja, meine Hochachtung für diesen äußerst gelungenen Beitrag! Ich habe Deinen Blog, speziell den Beitrag “15 Burgruine Altnussberg und Schwarzer Regen” auf unserer FACEBOOK-Seite verlinkt. Ich hoffe, das damit Einverständnis besteht.

    Hans

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