An der Ilz von Schrottenbaummühle nach Kalteneck

Wenn man Glück hat, sieht man die Göttin der Morgenröte. Ansonsten ist diese Tour ein bequemer Frühlingsgenuss: Dieser Abschnitt der Ilz ist ein Klassiker: flach, Wasser, Einkehrmöglichkeiten, bequem zu gehen und im Sommer üppig grün.

Leberblümchen an der Ilz

Leberblümchen an der Ilz.

Auf dem „Goldsteig“ schlendere ich durch Mischwälder

flussabwärts Richtung Kalteneck. Der flache, bequeme und rollstuhltaugliche Weg führt nah am Wasser entlang. Links blühen am steilen Hang Buschwindröschen und von ein paar Wochen Leberblümchen, die auch Fastenblumen heißen. In die violetten Blüten und die ungewöhnliche Blattform des Leberblümchens bin ich richtig vernarrt! An der Ilz kommt das Blümchen häufig vor, obwohl es kalkhaltigen und humosen Boden mag und der Bayerische Wald sonst eher kalkarm und sauer ist. Die Ilz hat sich allerdings schon so tief eingegraben, dass sie schon Gesteinsschichten erschlossen hat, in denen Kalk enthalten ist. Außerdem zapfen die Leberblümchen das Hangwasser an, das ein bißchen Kalk mit sich führt. Das reicht den Leberblümchen wohl zum Leben.

Jetzt in paar Schritte direkt ans Wasser der Ilz, das sowieso zwischen den Bäumen immer zu sehen und zu hören ist. Sonst könnte man meinen, ich war sonstwo, aber nicht an der Ilz.

An der Ilz beim Goldsteig

An der Ilz beim Goldsteig

Ich staune immer wieder über das tolle Muster, das der Sauerklee zeigt!

Sauerklee

Sauerklee

Links zweigt ein Weg Richtung Atzldorf ab. Ich bleibe im Ilztal. Die Frühlingsplatterbse wechselt ihr Farbkleid von blau nach rot – oder doch von rot nach blau?

Frühlings-Platterbse

Frühlings-Platterbse

Der Weg gewinnt minimal an Höhe. Seitlich fließt ein Bächlein herab. Ob das hier ein Eichen-Hainbuchenwald, ein Schluchtwald oder Auwald ist, weiß ich nicht. Ist auch egal. Die Wälder sind bunt gemischt. Der Weg fällt wieder leicht ab. Huflattich blüht gelb. Vogelhäuschen hängen sehr niedrig. Hm?

Vogelhäuschen

Vogelhäuschen

An einer Stelle führt der Weg mit einer Linkskurve vom Wasser weg. Geradeaus zweigt ein Trampelpfad in den Wald hinein ab. Dieser führt nah am Wasser entlang. Mit einem gewagten Sprung überspringe ich einen Graben von mindestens 20 cm Breite. 😉

Wieder erreiche ich eine winzige Wiese. Weil das noch zum Naturschutzgebiet „Obere Ilz“ gehört, darf hier nicht geackert werden und die Wiesen dürfen nur extensiv und düngerarm bewirtschaftet werden. Damit soll ein artenreicher Auen-Wiesen-Lebensraum gefördert werden. Am Hang blüht ein Teppich aus violetten Leberblümchen. Ich nähere mich dem Alten Poststeg.

Blick über den Poststeg nach Schloss Fürsteneck.

Blick über den Poststeg nach Schloss Fürsteneck.

Auf der linken Wegseite blühen Buschwindröschen um die Wette.

Buschwindröschen vor vom Hallimasch gefällten Baum.

Buschwindröschen vor vom Hallimasch gefällten Baum.

Nach nicht allzu langer Zeit ist der alte Poststeg erreicht, den ich nicht überquere.

Alter Poststeg

Alter Poststeg

Dort, wo die Wolfsteiner Ohe in die Ilz mündet, wächst die faszinierende Schuppenwurz. Es folgt ein sehr schöner Abschnitt direkt am Wasser der Wolfsteiner Ohe.

Einmündung Ilz - Wolfsteiner Ohe

Einmündung Ilz – Wolfsteiner Ohe

Banater Segge an der Wolfsteiner Ohe und Ilz

Banater Segge an der Wolfsteiner Ohe und Ilz

Die zur Zeit blühende Banater Segge säumt das Ufer. Die Büschel können bis zu einem Meter hoch werden. Den steilen Abstecher zur Einkehr in der Burg von Fürsteneck habe ich mir diesmal gespart.

Ein Schnecklein will unbedingt auf einem Baum hoch hinauf.

Wanderung im Schneckentempo

Wanderung im Schneckentempo

Bald ist ein Holzbrücklein erreicht, das die Wolfsteiner Ohe überspannt.

Die Wolfsteiner Ohe am Goldsteig bei Fürsteneck.

Die Wolfsteiner Ohe am Goldsteig bei Fürsteneck.

Zwischen Pferdekoppeln und einem Wasserkanal entlang guckt mich ein Alpaka an. Nach den drei Häusern stößt man auf einen kleinen Wanderparkplatz, bei dem der Goldsteig im spitzen Winkel rechts abzweigt. Das ist leicht zu übersehen. Es geht auf einen Fichtenwald mit einem unnatürlichen Waldrand zu. Schon habe ich die Ilz wieder im Blick. Oh! Ein monotoner Fichtenwald. Der dürfte ein Überbleibsel aus der Zeit sein, als die Wiesenwirtschaft aufgegeben und anschließend mit Fichten aufgeforstet worden ist.

Gerade als ich denke, dass ich im Fichtenwald mit seinem schnurgeraden Waldweg aufs Tempo drücken kann, bremst mich das Silberblatt fotografisch aus.

Silberblatt

Silberblatt

 

Um genau zu sein: Mein Pflanzenatlas hat gesagt, dass es sich um das Ausdauernde Silberblatt, die Mondviole handelt. Das hat viel größere Blätter als das andere Silberblatt.

Der weiterhin bequeme, ebene Weg führt schnurgerade durch Fichtenwald. Oh! Ein Fliegenfischer. Die stehen in der Ilz öfter bis zu den Hüften im Wasser. Eine Fliegenfischerin habe ich allerdings noch nie gesehen. Zwischen Bahnlinie  und Wasser führt der romantische Waldpfad weiter flussabwärts.

Mein Freund der Biotiopholz-Baum. Beinwell. Biberspuren. An einer alten Triftsperre harrt ein Rastplatz der Wanderer, die da noch kommen werden. Die alte Triftsperre sieht aus wie ein Dampfer. Der bisher bequeme Pfad wird zum  Wurzel- und Steinepfad direkt am Wasser.

Pfad am Wasser

Pfad am Wasser

Wieder die Schuppenwurz! Als Vollschmarotzer liebt sie unter anderem Haselsträucher, Erlen, und Pappeln. Und sie blüht erst nach zehn Jahren das erste Mal! Uiii! Das dauert aber lange!

Schuppenwurz

Schuppenwurz

In diesem Abschnitt habe ich vor Jahren das erste Mal in meinem Leben die Göttin der Morgenröte gesehen: einen Aurorafalter. Er hat sich nur nicht photographieren lassen. Ein bißchen Fichtenwald und die letzten Überreste von Sonnenhut, einem Neophyten, der sich breit macht.

Ein Neophyt: Schlitzblättriger Sonnenhut - Ein Einwanderer aus Nordamerika.

Ein Neophyt: Schlitzblättriger Sonnenhut – Ein Einwanderer aus Nordamerika.

Und in einem anderen Jahr waren um diese Jahreszeit ein paar Eisschollen zu überwinden.

Eisringe

Eisringe

Beim Rastplatz mit Pavillon weitet sich das Tal. In der Ilz tummeln sich Felsen…

Spiegelungen

Spiegelungen

…und an der Ilz knorrige Gestalten.

Knorrige Gestalten

Knorrige Gestalten

Am Waldrand stehen Gräser vom letzten Jahr. Auch schön.

hohe Gräser

Hohe Gräser

Über eine Wiese geht es auf Kalteneck und damit dem Wendepunkt zu.

An der Bilderrahmen-Fabrik vorbei über die Brücke. Vor der alten Eisenbahnbrücke auf der linken Seite erklimme ich den Trampelpfad nach oben. Den nehme ich, weil ich das Teersträßchen weg haben will, auch wenn es sich nur um ein paar Meter handelt. Also den Hang hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Um wieder an die Ilz zu gelangen, gehe ich kurz rechts und dann links wieder auf den Ilztalwanderweg.

Hier wächst eine Unmenge von Schuppenwurz. Ein Schuppenwurz-Wald? Super!!! Ein Brücklein überquert ein Bächlein und trifft auf einen warum-auch-immer-erneuerten-Weg. Dessen Ränder sind noch recht „neu“ und gefallen mir nicht. Dafür macht sich büschelweise die Nelke breit und lässt mich den Weg durch die rosarote Brille sehen. Dann wird der Wegrand auch schon wieder ansprechender, weil eingewachsener.

Nelken und Schlüsselblumen überwuchern einen kahlgeschlagenen, steilen Hang. Richtig bunt ist es hier. Ein Teppich aus Ehrenpreis gesellt sich dazu.

Später sind links am Hang steile, nur mit Moosen und Flechten überwucherte Felswände zu sehen. Ein von links kommendes Seitenbächlein hat rechts einen tiefen Graben gegraben. Dahinter fällt der Blick über ein Banater-Seggen-Ried auf die Ilz.

Der immer bequeme Waldweg schlängelt sich in leichtem Auf und Ab am Hang entlang, meistens mehr oder weniger hoch über der Ilz.

Rückweg an der Ilz von Kalteneck nach Schrottenbaummühle

Rückweg an der Ilz von Kalteneck nach Schrottenbaummühle

Bei einer alten Triftsperre kann man eine Pause einlegen und Aasfresser beobachten.

Aasfresser Rothalsige Silhpe

Aasfresser Rothalsige Silhpe

Einer verirrte sich in meinen Wanderschuh. Uff! Gerade noch rechtszeitig gesehen, bevor ich den Schuh wieder angezogen habe. Wäre schade um das schöne Tierchen. Wenn es solche Aas, Kot und verfaulende Pflanzen fressende Käfer nicht gäbe, würden wir in Leichen und Kot ertrinken. Dieser Käfer mag außerdem auch noch Stinkmorcheln. Na ja, wem´s schmeckt.

Irgendwo lockt ein Plätzchen für ein Schläfchen.

rasten

Rasten

Ein Vogelhaus soll fehlende alte Bäume ersetzen. Wobei so ein Vogelhäuschen nicht die Qualität eines alten Biotpopholzbaumes erreicht. Im Totholzbaum leben je nach Verfallsstadium verschiedene Lebewesen nebeneinander, miteinander und voneinander. Der Schwarzspecht sucht holzbewohnende Käfer. Die Hohltaube zieht in das Spechtloch ein. Der Baumpilz zersetzt nicht nur den Baum, sondern bestimmte Pilzkäfer haben ihn zum Fressen gern. Zum Schluss entsteht Mulm, in dem Mulmkäfer wohnen. Ein künstliches Vogelnest kann gegen diese Vielfalt nicht mithalten.

An einem aufgelassenen Steinbruch trifft der Weg auf eine Info-Stele über die Steinbrüche im Ilztal. Die Pestwurz schaut neugierig aus dem Boden.

Pestwurz am Ende der Tour.

Pestwurz am Ende der Tour.

Ein Blick auf die Einmündung der Wolfsteiner Ohe von der anderen Seite aus.

Zu einer anderen Jahreszeit!

Zu einer anderen Jahreszeit!

Und schwupps! Schon bin ich mit der Wanderung fertig!

Fazit: Dieser Ilztal-Wanderwegabschnitt ist einer der landschaftlich reizvollen Ilz-Abschnitte. Sehr bequem und kaum Steigungen. Müsste ich beurteilen, welche der beiden Flussseiten schöner ist, ist es eindeutig die Goldsteig-Seite. Sie ist näher am Wasser, es gibt auch mal Pfadabschnitte (wobei die Waldwege auch sehr schön sind). Die Wälder sind abwechslungsreicher und die Seite ist sonniger.

An Sonn- und Feiertagen ist dieser Ilz-Abschnitt sehr frequentiert und wochentags sind viele JoggerInnen und RadfahrerInnen (auf dem Rückweg) unterwegs.

Start / Parken: Schrottenbaummühle an der St 2127 zwischen Tittling (an der B 85 zwischen Passau und Richtung Grafenau) / Loizersdorf und Rappenhof. Entweder direkt bei der Brücke oder beim Gasthof Schrottenbaummühle.

Streckenlänge: ca. 11 km.

Gehzeit: 3 1/2 Stunden

Wanderkarte:

Wanderkarte

Wanderkarte

 Wegbeschreibung/ Markierung:

Wegweiser am Anfang: Goldsteig

Wegweiser am Anfang: Goldsteig

Flussabwärts auf der linken Seite der Markierung „Goldsteig“ Richtung Kalteneck folgen. Anfangs an der Ilz entlang, später kurz mal an der Wolfsteiner Ohe, über ein Holzbrücklein wieder zur Ilz. Bis Kalteneck auf dem Goldsteig wandern. Vor dem ersten Haus bei Kalteneck zweigt rechts die alte Eisenbahnbrücke über die Ilz ab. Hier kann man abkürzen. Legt man allerdings gesteigerten Wert auf einen halben Kilometer Industriegebiet, folgt man weiter dem Goldsteig geradeaus, bis man die offizielle Straßenbrücke mit Wanderparkplatz erreicht.

Ist man bis zur offiziellen Brücke gegangen, auf der anderen Ilzseite rechts dem Donau-Ilz-Radweg zurück (also entgegen der Fließrichtung) folgen. Die Markierung ist auch „Flussperlmuschel und „Ilztalwanderweg“. Etwa einen halben Kilometer eben auf oder neben dem Landsträßchen entlang. Nach der Unterführung geradeaus weiter an der Ilz (oder den beschriebenen Schlenkerer gehen). Nach einem Arche-Hof steigt der Weg kurz an, führt noch einmal an einem Haus vorbei und man gelangt an eine Y-Kreuzung. Den rechten Weg, der sich absenkt, nehmen. Und weiter der Markierung folgen. Im Zweifelsfall rechts halten, also immer in der Nähe der Ilz bis man wieder in Schrottenbaummühle ist.

Tiefster Punkt / höchster Punkt:um die 350 Meter über NN

Einkehrmöglichkeiten: Schrottenbaummühle, Fürsteneck.

Wanderkarte: Fritsch Wanderkarte Nr. 58

 

 

 

 

 

Bücher und Literatur, die ich diesmal angeschaut habe:

Info-Broschüre des Naturparks Bayerischer Wald e. V. Kann man entweder beim Naturpark bestellen oder in den Info-Stellen mitnehmen.

 

 

 

 

 

 

Häupler Henning, Muer Thomas: Bildatlas der Farn-und Blütenpflanzen Deutschlands. Alle 4200 Pflanzen in Text und Bild. 2007, 2. Aufl., Verlag Ulmer.

 

 

 

 

Malm Liesel: Meine liebsten Wildkräuter. 2014, 1. Aufl., Verlag Bassermann

 

 

 

 

Stichmann, Wilfried: Der große Kosmos-Naturführer: Tiere und Pflanzen, 2005. Verlag Franckh-Kosmos

 

 

 

 

Bei outdooractive habe ich die Wandertour eingestellt

 

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2 Kommentare zu An der Ilz von Schrottenbaummühle nach Kalteneck

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