Wanderung von Zenting nach Ranfels – Eine Wundertüte

 

Romantische Burgmauer

Wieder einmal bin ich in der Ranfelser Gegend unterwegs. Hier gibt es viele liebliche Hügel, Wiesen-Täler und beeindruckende Felsen. Ich starte in der Dorfmitte von Zenting und gehe zunächst durch den Ort. Kurz darauf höre ich lautes Geplätscher. Ich vermute, dass irgendwo ein großer Bach fließt. Weit gefehlt! Ich erreiche die Kläranlage und frage mich, warum die Goldsteig-WegmacherInnen wohl den Weg hier geführt haben? So reizvoll ist das nun auch wieder nicht. Dann kommt doch noch ein Bach und der Weg führt in den nicht sehr attraktiven Wald hinein. Wenigstens ist der Wegrand mit einer zum Teil blühenden Krautschicht bewachsen. 

Ein Blütenrausch

Gerade als ich anfange, am Goldsteig als Premiumweg zu zweifeln, wird es viel, viel schöner und hört nicht mehr auf. Ich gelange an eine Lichtung, wo ich erstaunt feststelle, dass nirgends ein Haus zu sehen ist. Das ist selten.

Tal nach Zenting mit Blick Richtung Geißlstein.

Tal nach Zenting mit Blick Richtung Geißlstein.

Ein paar Meter weiter sehe ich dann doch noch ein Gebäude, aber das ist jetzt egal. Diese Lichtung ist nach dem bisherigen Wegverlauf einfach nur erholsam.

Dann tauche ich wieder in die Dämmerung des Waldes ein, bis sich der Blick in ein Tal hinein öffnet.Am Gehölzrand entlang erreiche ich bei einem Bach eine Kreuzung, an der ich den Goldsteig verlasse. Am Weg wachsen Heidekraut, Wachtelweizen und Faulbaum. Wo sind die Wachteln und wohnen auf dem Faulbaum Faultiere?

Der Weg zieht an einem riesigen, privaten Badeteich vorbei.

Der Weg im Anschluss an den Weiher.

Der Weg im Anschluss an den Weiher.

Weiter oben habe nicht nur ich, sondern auch weidende Kühe den Überblick.

Bei einem alten, sanierten Haus staune ich über geschmackvolle, geschnitzte Eulen am Balkongeländer und über einen parkähnlichen Garten.

Geschnitzte Eulen

Und das ist die umgebende Landschaft.

Landschaft im Vorderen Bayerischen Wald

Weil ich vom Garten so fasziniert bin, übersehe ich vor lauter nach links gucken die Abzweigung rechts über die Wiese. Mir kommt es dann doch spanisch vor und ich suche die deutlich sichtbare Markierung, wenn man auf die andere Straßenseite blickt. Über eine Wiese gehe ich bergauf. Dabei gibt es nicht nur gelbes Leinkraut und violette Glockenblumen zu entdecken, sondern auch andere Schönheiten.

Oben auf der Kuppe sitze ich

Da sitzt man gut mit Blick Richtung Gruselsberg.

Da sitzt man gut mit Blick Richtung Grausensdorf.

und schaue über Grausensdorf nach Thurmansbang.

Blick über Grausensdorf nach Thurmansbang

Nach der Rast führt mich der Wiesenweg den Hügel wieder bergab.

Dieser Wegweiser steht wohl schon lange da. Den Flechten gefällt der Mikro-Lebensraum wohl auch?

Aber nur, um eine kleine Straße zu überqueren, und dann wieder bergauf in den Wald hineinzugehen, in dem ein Bächlein fließt. Als ich wieder aus dem Wald auf eine Wiese trete sehe ich Pferdekoppeln.

Kurz vor Neuhof.

Kurz vor Neuhof.

Die bereitgestellte Sitzgelegenheit ist allerdings schon etwas marode. Die Flechten und ich machen es uns gemeinsam so bequem als möglich.

Weiter auf schönem Waldweg erreiche ich eine Landstraße, der ich links folge. Jetzt darf ich mich entscheiden, ob ich heute ein Wiesental mit plätscherndem Wasser oder große Felsen sehen will. Ich entscheide mich für die Wiesentäler. Oder doch für die Felsen? Eine echt schwierige Entscheidung. Ich nehme das Wiesental.

Deshalb gehe ich auf dem Sträßlein talwärts und lasse Neuhof rechts liegen. Bei Hauermühle zweigt ein bequemer Weg in das Wiesental ab.

Wiesental-Weg

Das Tal strahlt Ruhe aus. Der Bach mäandert zwischen den Wiesen.

Am Ginghartinger Bach

Ich überquere den Bach und laufe wieder aufwärts in den Wald. Schon nach wenigen Metern verlasse ich die Forststraße wieder und trete in Mischwald ein. Für stehendes, liegendes und grün bemoostes Biotopholz mache ich einen Fotostop. Hier gefällt es mir. Sehe ich doch im Totholz blühendes Leben.

Biotopholz

Über ein Bächlein, an dem ich die Schale einer Flussperlmuschel sehe, geht´s durch ein romantisches Wiesental.

Kurz vor Ranfelsmühle.

Kurz vor Ranfelsmühle.

An einem Wasserkanal entlang, erreiche ich Ranfelsmühle.

Vor mir ragt der bewaldete Bergsporn auf, auf dem ehemals die Burg Ranfels thronte. Es ist faszinierend, wie hoch es da hinaufgeht. Der Weg führt nun an einem Weiher

Weiher in Ranfelsmühle.

vorbei und in einem Wiesental mit Sitzplatz

Sitzgelegenheit

 erneut am Waldrand entlang . Es gibt eine Wasserstelle

Wasserstelle

und verblühte Blumen.

Karden 

Ich lege den Kopf weit zurück, um oben die Kirche, die auf den Grundfesten der ehemaligen Burgkapelle erbaut sein soll, zu sehen.

Blick nach oben auf den Turm des schönen und sehenswerten Kirchleins. 

Der folgende, gut ausgebaute Weg sieht steil aus. Ist er auch. Ich steige steil nach Ranfels hoch. Ein sehr schöner Pfad umrundet den Bergsporn mit großen Felsen. Tief unten liegt das Tal.

Weg um den Bergsporn

Die Bank vor dem Felsen finde ich nicht anziehend, weil hinter ihr ein großer Felsen in die Höhe ragt, der irgendwie erdrückend wirkt. Also lieber nicht hingesessen, sondern schnell vorbeigegangen. Bei dem Durchgang  zwischen den Felsen ist deutlich zu sehen, dass die „Burg“Mauer um die großen Felsen rumgebaut worden ist. Die Burg wurde schon im 12. Jahrhundert gebaut. Da das schon lange zurück liegt, ist von ihr fast nichts mehr übrig. Und was ist übrig ist, ist bis auf die Kirche nicht zu besuchen.

Die Umrundung des Bergsporns endet in der Dorfmitte. Weiter geht es mit der Markierung Ahornblatt (startet hier und führt in den Nationalpark) durch das gepflegte Dorf mit einigen schönen, alten Bauernhäusern.

Haus in Ranfels

Die Wegführung eröffnet wunderschöne Tiefblicke nach Ranfelsmühle und auf die gegenüberliegenden, bewaldeten Hügel. Von einer Frau erfahre ich, dass die vor mir liegende, steile Hangwiese von Schafen abgeweidet wird. Ich denke mir: „Anders lässt sich das auch nicht bewirtschaften, so steil wie das ist.“

Talblick von Ranfels aus.

Kurz darauf verlasse ich das Dorf. Der Weg führt sanft bergab, an einem Weiher vorbei, ist von Bäumen und Sträuchern auf der einen Seite und Wiesen auf der anderen Seite eingerahmt. Angenehme Wege und Pfade schlängeln sich in sanftem Auf und Ab abwechselnd über Blumenwiesen mit Kamille, Margeriten und Nelken, durch Wälder oder am Waldrand entlang. Die vielen Hügel lassen die Landschaft immer wieder anders erscheinen.

Blick zurück auf dem mit dem „Ahornblatt“ markierten Weg.

Es duftet nach wildem Thymian. Es gibt genügend Bänke um die Ausblicke auf die sanfte Hügellandschaft entspannt zu genießen. Die Ahornbäume machen der Markierung „Ahornblatt“ alle Ehre.

Einmal noch komme ich an zwei Häusern mit dem lustigen Ortsnamen Gruselsberg vorbei. Ansonsten bin ich alleine mit mir und der Natur. Schön ist es hier. Ein würdiger Abschluss ist der Wiesenpfad hinunter nach Zenting. Mit den Bergen Geißelstein, Aschenstein und Brotjacklriegel im Hintergrund liegt das Dorf vor mir und damit der Anfang und das Ende meiner wunder-, wunderschönen Wanderung.

Blick auf Zenting mit dem Berg Aschenstein im Hintergrund

Fazit: Die ersten 1 ½ km waren seltsam. Aber der Rest der Tour entpuppte sich als wahre Wundertüte. Die hügelige Landschaft glänzt mit schön geschwungenen Wegen und Pfaden, lieblichen Wiesentälern und beeindruckenden Felsen. Es geht durch Wiesen, an Wald- oder Gehölzrändern entlang oder durch Wälder. Nicht zu vergessen sind die kleinen Wasserläufe.  Auch der Wechsel von Wiesen und Wäldern, von sanftem Auf und Ab haben mir gut gefallen. Ranfels hat ein gefälliges Ortsbild und der Ausblick von dort oben in das tief gelegene Tal ist phantastisch. Der Weg nach Zenting durch die sanfte Hügellandschaft und abseits der Zivilisation ist ebenfalls sehr schön geführt. Eine wirklich empfehlenswerte Wanderung mit Einkehrmöglichkeiten zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle.

Anfahrt und Start: Ausgangspunkt ist Zenting, das an der St 2322 im Landkreis Freyung-Grafenau liegt. Ich habe an der Ecke Grafenauer Str. / Deggendorfer Str. geparkt. Es gibt aber auch genügend andere Parkmöglichkeiten (Richtung Deggendorf bei der alten Schule / beim Rathaus auch einen Wanderparkplatz).

Markierung / Reihenfolge: Verschiedene: Goldsteig –  Blauer Goldsteig bzw. runde rote 20 und 29 –  runde, rote 24 – unmarkiert auf Landstraße – runde, rote 68 – runde, rote 63 – Blauer Goldsteig bzw. runde, rote 29.

Länge / Dauer Gehzeit: 12 km, Dauer ca. 3 – 4 Stunden

Wanderkarte: Fritsch Nr. 58

Streckenkarte: Kommt noch.

Derweil habe ich die Tour bei outdooractive eingestellt. Dort gibt es sie als Karte zum herunterladen.

Streckenbeschreibung: Zunächst der Markierung Goldsteig Richtung Thurmansbang / Saldenburg folgen. Nach etwa 1 ½ km zeigt bei einer Weggabelung im spitzen Winkel ein Wegweiser nach rechts Richtung Ranfels ab. Dem nicht folgen, sondern nach links unten gehen. Die Markierung „Goldsteig“ fehlt, als ich dort war (sie wurde offensichtlich weggemacht – von wem auch immer). Aber wenn man einige Meter geht, sieht man die Markierung wieder rechts an einem Baum.

In einem Wiesental zweigen bei einem Bach der blaue Goldsteig und die rote 20 / 29 nach rechts nach Richtung Neuhof und Ranfels ab. Dieser Markierung wieder aufwärts folgen. Auf der Landstraße links der Markierung bis Neuhof folgen. Bei Neuhof wenige Meter auf der Landstraße unmarkiert weiter bis Hauermühle gehen. (Insgesamt sind es 400 Meter Landstraße). Bei Hauermühle zweigt rechts die rote 68 in ein Wiesental ab. Den Bach über- und das Wiesental durchqueren und wieder im Wald bergauf. Nach wenigen Metern im Wald macht der Weg eine deutliche Linkskurve, in dieser Kurve nach rechts Richtung Burg Ranfels / rote 63 abbiegen. Die Markierung kann man leicht übersehen. Es geht durch Wald in das Wiesental und man erreicht an einem Kanal entlang Ranfelsmühle.

Dort weiter dem blauen Goldsteig Richtung Ranfels folgen. Nach dem steilen Aufstieg kommt man am Ortsanfang an einem Hotel vorbei, das links liegt. Kurz darauf führt der leicht zu übersehende Wanderweg auf der gegenüberliegenden Seite nach rechts um den Bergsporn herum. Markiert ist er mit einem blauen Goldsteigzeichen, das an einem abgeschnittenen Baum befestigt ist und wegen des Efeus kaum zu sehen ist. Man kommt in der Dorfmitte heraus und folgt ab jetzt immer der Markierung „Ahornblatt“ oder „Blauer Goldsteig“ bzw. rote 29 Richtung Zenting.

Tiefster Punkt:  Zenting oder eins der Täler

Höchster Punkt: Burg Ranfels 459 m

Einkehrmöglichkeiten: Zenting (Empfehlung Kamm-Bräu ), Neuhof, Ranfels.

Wo Zenting dazugehört:Gemeinde Zenting, Verwaltungsgemeinschaft Thurmannsbang, Landkreis Freyung-Grafenau.

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7 Kommentare zu Wanderung von Zenting nach Ranfels – Eine Wundertüte

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  6. Karl sagt:

    Hallo Sonja,
    letzte Woche am Donnerstag sind wir bei herrlichstem Wetter von Zenting nach Ranfels
    und zurück gewandert.
    Eine schöne Gegend mit vielen Sitzgelegenheiten ,da kann man die Natur genießen.
    Lediglich die Ausschilderung war ein wenig dürftig,aber wir fanden wieder zurück. 😉
    LG Karl

    • Sonja sagt:

      Hallo Karl,

      habe deinen Kommentar grade im Spamfilter gefunden.
      Schön, dass dir die Tour gefallen hat.
      Das mit der Ausschilderung: da suche ich auch öfter, wenn ich eine neue Tour zusammenstelle. Oft ist so eine Strecke auch nur von der anderen Richtung her markiert, warum auch immer.

      Viele Grüße
      Sonja

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