Flusswanderung am Schwarzen Regen bei Regen

 

Uferpfad zu Beginn der Wanderung.

Diesmal habe ich einen Abschnitt des Schwarzen Regens erwandert, den ich noch nicht kannte. Wir sprechen hier ja nicht vom „Schwarzen Regen“, sondern nur vom „Regen“, egal, ob groß, klein, schwarz, weiß, dick oder dünn. 

Ich starte also an der Brücke, wandere entgegen der Fließrichtung rechts auf einem schmalen Uferpfad. Hier ist der Regen noch gestaut und fließt dementsprechend ruhig. Damit die Ohren trotzdem beschäftigt sind, lärmt die ersten 1 ½ km der Verkehr auf der nahegelegenen B 11. Deshalb konzentriere ich mich auf das, was rumfliegt: blaue und schwarze Libellen zum Beispiel.

Die schwarze Libelle hat im Flug wie ein großer, schwarzer Schmetterling ausgesehen.

 

Heuschrecken-Mimikri

Der Pfad führt erfreulicherweise immer sehr nah am Wasser entlang, anfangs etwas über dem Wasserniveau, bald schon auf Wasserhöhe. Im ersten Abschnitt freue ich mich über Graspfade. Nasse Stellen oder seitliche kleine Bächlein werden über alte Holzbohlen überbrückt. Idyllisch.

Holzbohlen

Als ich mich umdrehe, sehe ich die Brücke, von der aus ich gestartet bin und die Skipisten des Geißkopfs.

Blick über den Regen Richtung Geißkopf

Ab und zu gehe ich an Wiesenrändern entlang.

Über Wiesen

Dabei ist die eine oder andere Beere zu sehen.

Sieht aus wie Tomaten. Sind aber keine. Die Beeren sind nur einen knappen cm groß.

Später führt ein Waldwurzelpfad am Ufer entlang. Es gibt auch hier viele Blumen zu sehen: Blauer Eisenhut zum Beispiel, der hier in Massen wächst. Aus blauem Eisenhut wurde in der Antike Pfeilgift hergestellt. Obwohl die Antike schon lange her ist, ist der Blaue Eisenhut auch heute noch ziemlich giftig.

Blauer Eisenhut

Das Wasser höre ich zwischenzeitlich auch rauschen. Ausgesetzte Uferstellen werden „umtrampelt“ oder offiziell umgangen. Die Eisenbahnbrücke ist hoch über mir. Der Biber hat Bäume geringelt. Fichtenwald geht in Mischwald über.

Irgendwas stimmt hier nicht.

Eine Ente versucht gegen den Strom zu schwimmen. Auch das Wasser hat was zu bieten: Unterwasserpflanzen?

Wer weiß, was das ist?

Einige Brombeeren sind schon reif und schmecken. Es heißt, dass man eine Krankheit abstreifen kann, wenn man durch einen Brombeerstrauch kriecht. Na, dann mal los! Hohe Blumen wie indisches Springkraut und Goldrute säumen den Weg. Dann führt ein bequemer Weg wie durch einen Park. Das liegt wohl daran, dass der Weg freigemäht ist. An der wie für eine Burg gemachten Brücke verlasse ich den Flusstalwanderweg. Ich überquere die Brücke

Wo ist die Burg dazu?

und meine, durch das Privat-Grundstück zu gehen. Aber der Wanderweg führt da tatsächlich am Rand entlang. Dann geht es auf einer alten Landstraße, deren Asphalt schon aufgebrochen ist (ich glaube nicht, dass die noch mal geteert wird), bergauf. Oben auf der Kuppe ist der Weg dann wieder eine „ordentliche“ Landstraße mit Blick auf das Dorf Kohlnberg. 

Kohlnberg

Die Landstraße führt durch das Dorf und zwischen Wiesen weiter. Dabei habe ich schöne Ausblicke auf die Berge.

Bei Kohlnberg

Irgendwo rechts muss der Hennenkobel sein. Nein, auf dem Hennenkobel werden keine Hennen im Kobel gezüchtet, sondern dort wurden früher Mineralien wie Rosenquarz, Pyrit oder Turmalin abgebaut. Am Wald bei den Totenbrettern verlasse ich die Landstraße wieder und wechsle in einen Waldweg. Zwei Eichhörnchen toben vor mir auf dem Weg und erschrecken genauso wie ich. Im Gegensatz zu den Eichhörnchen, die auf den Baum klettern, flüchte ich nicht.

Über einen Wiesenpfad steige ich noch einmal bergauf.

Wiesenknöterich und Wiesenknopf

Die Wurzel des Wiesenknöterichs hat scheinbar die Form eines Drachens oder einer Schlange, weshalb er auch „Schlangenknöterich“ oder „Drachenwurz“ genannt wird. Ich habe noch keine Wurzel ausgegraben, deshalb weiß ich nicht, ob das wahr ist.

Als ich oben angekommen bin, will ich sehen, was sich hinter mir tut und mache ein Überblicks-Photo.

Ist das da hinten der Rachel?

Der Weg kreuzt eine Asphaltstraße und führt auf einem Waldwirtschaftsweg weiter. In einer Linkskurve mache ich eine Sitzbank-Probe. Dann verlasse ich vorübergehend die markierten Wege. Es geht bergab und bald schon treffe ich wieder auf Wanderweg-Markierungen, die von rechts kommen. Ich folge dem Wirtschaftsweg weiter bergab.

Zum Fichtenforst, der mich gerade umgibt, fällt mir jetzt nichts ein. Na ja, ein Fichtenforst kann auch nichts dafür, dass er ein Fichtenforst geworden ist. Doch, jetzt fällt mir doch was ein: Auch dieser Wald ist Wasserspeicher, Luftfilter, Lebensraum, Sauerstoffproduzent, CO-2-Speicher und, und, und.

Gerade als ich mir denke: „Nein, die Wegführung ist doch nichts“, zweigt der Wanderweg nach rechts auf einen Waldweg ab. Kurz darauf höre ich auch schon wieder einen Bach rauschen. Ich überquere ihn. Von der Seite fließt ein Bächlein runter, das den Weg als Wasserlauf nutzt. Es gibt Schattenblumen. Deren Beerenfrüchte finde ich wunder-, wunderschön! Wie rot marmorierte Eier.

Schattenblumen

Dann stehe ich vor dem Truppenübungsplatz. Auf einem Schild wird davon abgeraten ihn zu betreten. Das habe ich sowieso nicht vor. Der Weg führt links unter der Waldbahn-Brücke weiter.

Waldbahn-Brücke

Und es tut sich eine andere, sprichwörtlich berauschende Welt auf.

An der Furt

Ich bin wieder am Regen an der Furt, die ich schon von der anderen Seite aus gesehen habe. Hier riecht es wie am Meer. Das Wasser scheint hier nicht tief zu sein, so dass man den Fluss barfuß überqueren könnte. Ich habe dazu keine Lust, genieße lieber auf der Bank liegend die Sonne und das Rauschen des Regens. Nach der ausgiebigen Rast führt der Weg auf einer bequemen, ebenen Sandstraße weiter.

Extrem bequemer Weg.

Für die vielen weißen Schmetterlinge scheint hier das Schlaraffenland zu sein. Einen Blick auf das Wasser erhasche ich nur mehr gelegentlich, was einerseits an der Ufervegetation liegt, andererseits auch daran, dass der Weg einige Meter entfernt vom Wasser entlang führt. Wirklich weit weg vom Regen bin ich aber nie. Der Weg führt zwischen Wiesen hindurch, an feuchten Stellen vorbei und wirkt irgendwie schon wieder parkmäßig. Die Landschaft hat trotzdem etwas. Aber was?

Auf einem Schild steht, dass sich hier das Ende des Stausees befindet. Ich bin wieder direkt am Wasser. Der Verkehr ist wieder zu hören. Wo ist der Knopf zum Ausschalten? SpaziergängerInnen, JoggerInnen und Hunde-Gassi-führende Menschen sind unterwegs.

Ich schaue Enten und einer im Wasser treibenden Plastikflasche zu und denke über den Wasserverbrauch beim Herstellen von Kunststoff nach. Für 1 kg Kunststoff braucht man zwischen 200 und 500 Liter Wasser. Was habe ich heute aus Kunststoff dabei? Rucksack, Wasserflasche, Brotzeitdose und, und, und. Da kommt ungewollt eine ganze Menge zusammen. Laut Klimaforschungen nimmt der Grundwasserspiegel im 2. Halbjahr ab. In Bayern sollen 95 % des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser bestehen. Auch wenn ich nicht weiß, ob die Kunststoffproduzenten Recycling-Wasser verwenden, frage ich mich: Soll man im 2. Halbjahr weniger Kunststoff kaufen? Schwäne lenken mich dann von meinen Überlegungen ab und ich treffe wieder auf die Brücke, über die ich zurück zum Auto gehe.

Fazit: Die schmalen Uferpfade am Regen sind wunderschön. Sie wechseln sich von grasbewachsen, über Waldpfade bis hin zu parkähnlichen Wegen ab. Gegen so viel Idylle fällt jeder weitere Weg ab, kann mit den Uferpfaden nicht mehr mithalten. Trotzdem stelle ich mir die Frage, ob der Rückweg nicht doch als Rückweg taugt? Eigentlich hat er alles, was viele WanderInnen so brauchen: es gibt schöne Ausblicke, Wasser und eine irgendwie interessante Wiesenlandschaft. Nur die Pfade fehlen ihm. Alles für sich genommen ist gar nicht so abwegig als Wanderweg. Hm. Ich bin noch hin- und hergerissen. Da muss ich doch glatt eine zweite Meinung einholen. Trotz dieser Überlegungen bin ich überzeugt, dass ich diesen Regenabschnitt wieder gehen werde, vielleicht wie hier beschrieben oder hin und zurück auf dem Uferpfad direkt am Regen. 

Die überdimensionierte Brücke am Wendepunkt finde ich witzig.

Länge: 11 km, davon 5 km bis zum Wendepunkt an der Brücke.

Zeit: 3 1/2 Std.

Niedrigster Punkt: am Regen 540 m

Höchster Punkt: ca. 580 m

Markierungen: blaue Wellenlinie auf weißem Grund „Flusswanderweg“ Richtung Zwiesel; grüne, quadratische 26 Richtung Langdorf; runde rote 2; 300 Meter unmarkiert; grüne, quadratische 25 Richtung Regen.

Wanderkarte: Fritsch Wanderkarte Nr. 60

Startpunkt: 48 Grad 58´ 41.11´´ N, 13 Grad 09´ 20.0´´ O

Hier geht`s lang.

Die Brücke liegt an der Verbindungsstraße (B 11) zwischen Regen und Schweinhütt (Richtung Zwiesel). Die Straßenwegweiser zeigen eine Abzweigung ohne Ortsnennung an, quasi wie ein Weg ins Nichts. Von Regen Richtung Zwiesel fahrend liegt die Brücke links. Auf der rechten Straßenseite zweigt eine Straße nach Richnnachmündt ab. Im Bereich der Brücke gibt es Parkmöglichkeiten. Der Wanderpfad führt auf der Parkplatzseite entlang.

Wegbeschreibung: Die Wanderung folgt die ersten 5 km der Markierung „Flusswanderweg“ (Wellenlinie) bis zur Brücke (kurz vor der Brücke führt eine Abzweigung rechts Richtung Bettmannsäge und links ist der Regen kanalisiert) dem Regen. Bei der Brücke (eigentlich sind es zwei Brücken) über die Brücken der grünen quadratischen 26 Richtung Langdorf folgen. Nach Kohlnberg geht es auf der Landstraße über Wiesen weiter, bis man den Wald wieder erreicht. Sofort links der roten 2 folgen. Die rote 2 zweigt kurz darauf im rechten Winkel nach rechts oben ab, über Wiesen zum Ort (Klafferhof) hoch. Die Asphaltstraße überqueren, der roten 2 weiter folgen. An einer Wiese in einer Linkskurve führt die rote 2 rechts weg, ein weiterer markierter Wanderweg halbrechts – diese markierten Wege rechts liegen lassen und unmarkiert dem Verlauf der Sandstraße (Linkskurve) folgen. Es geht wieder bergab. Nach 310 Metern trifft man wieder auf die von rechts kommenden Markierungen. Der Sandstraße noch ein paar hundert Meter gerade aus abwärts weiter folgen (Markierung grüne, quadratische 25 Richtung „Regener See“). Dann zweigt der Weg rechts wieder in den Wald ab. Immer der grünen 25 bis zur Brücke, an deren gegenüberliegender Seite das Auto parkt, folgen. 

Strecke:

Wanderkarte

 

Einkehrmöglichkeiten: Kohlnberg (ist zumindest an einer Tafel zu lesen / Erfahrung: nur Getränke), Klafferhof (steht zumindest da).

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3 Kommentare zu Flusswanderung am Schwarzen Regen bei Regen

  1. Gaby Gulde sagt:

    Meine Wanderung vom 19.Mai2013
    gestern habe ich die Tour gemacht.

    Ich habe Deine Wegbeschreibung ausgedruckt und zwischendurch immer wieder gelesen.

    Der Biber ist noch unterwegs und der Schlangenknöterich hat auch schon geblüht.

    Irgendwie bin ich in Deinen Fußstapfen unterwegs gewesen, obwohl ich die Wanderung doch ganz und gar für mich selbst empfinden konnte.

    Na ja, vielleicht haben wir ja auch manches gemeinsam so empfunden 😉

    Lach, denk Dir, erst bin ich über die Brücke und dann Richtung Regen marschiert, bis ich merkte: Hallo? das ist doch kein Pfad hier??

    Mich hat wohl der Wind am Stausee fehl geleitet, denn Du hattest geschrieben: „gegen die Fließrichtung.“

    Ich wußte zum einen nicht, dass ich mich an einem Stausee befinde (dachte, der regen ist halt so breit) und der Wind ließ die Fließrichtung im See von Regen wegwärts erscheinen.

    Ich hab es ja noch geschnallt und habe dann auch die Beschreibung genauer gelesen.

    Ich durchforste den Bayrischen Wald schon seit 17 Jahren.

    Gerne erfahre ich immer wieder neue Touren; wobei ich die Touristenpfade (traurig-Lusen, Schwellhäusl etc.) nicht so mag.

    Dein Trampelpad am Regen war genau das Richtige für meine Naturseele.

    Hatte ich doch Deine Empfindungen so gut nachvollziehen können.

    Ich war Jugnedwart im Bayrischen Waldverein, Sektion Deggendorf, als meine kleine Tochter noch für Wanderungen zu begeistern war, weil auch andere Kinder dabei waren. Die Touren, die unser Wanderwart ausgesucht hat, habe ich mir nie gemerkt.

    Ich lebe für den Augenblick. Also stehe ich jeden Tag mit leerer Tasse auf und fülle sie mit all den Köstlichlichkeiten der Natur.

    Danke für Deine Begleitung.

    Ich recherchiere gerne noch mehr über Deine Touren.

    Alles Liebe

    Gaby

    • Sonja sagt:

      Hallo Gaby,

      schön, dass Dir die Tour am Regen gefallen hat, auch wenn der Regen in die “falsche” Richtung geflossen ist.

      Ich mag auch lieber ruhige Pfade und Wege, als den großen Rummel. Obwohl es im Bayerischen Wald meiner Erfahrung nach auch auf ausgetretenen Touristenpfaden ganz schön einsam sein kann. Und zum Lusen oder zu anderen „Höhe-Punkten“ gibt es auch idyllische Wege, auf denen man kaum jemandem begegnet.

      Alles Liebe
      Sonja

  2. Liebe Sonja,
    wieder einmal weilen wir im Bayerischen Wald (Wandern und Motorrad fahren). Heute haben wir die Flusswanderung Eisenstein – Zwiesel unter die Füße genommen. Du erinnerst Dich, Du hattest vor einem Jahr hier kommentiert: http://www.alwins-blog.de/?p=11940
    Ich werde auch wieder zwei…drei Blogbeiträge erstellen, allerdings erst, wenn ich wieder daheim bin. Ich werde Dich darüber informieren. Vorerst darfst Du gern mal in meine Fotos schauen unter: https://www.facebook.com/albrecht.krenbauer/media_set?set=a.814403658675133.1073741902.100003165204605&type=3&pnref=story
    Da wir noch eine Woche hier sind, werden noch zahlreiche Fotos unter diesem Link folgen.
    Bis dahin, lieben Gruß aus Zwiesel, Albrecht und Karin

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